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Rechts: Rechte Szene in Aachen Stadt zwischen stürmischen Zeiten und dem Ballfieber

Aachen. In Aachen formiert sich die rechtsextreme Szene wieder neu. Im Februar 2006 hat sich im Bereich Rothe Erde und Forst die Neonazigruppe „Sturmbund Aachen“ (SBA) gegründet. Seit Mitte 2005 ist eine Ortsgruppe Aachen der NPD aktiv, der seit Oktober 2006 ein „Stützpunkt“ der NPD-Jugend angehört. Zudem ist eine „Anti-Antifa Aachen“ aktiv, die im Internet gegen politische Gegner wettert.

Mitte 2003: in zwei Wohnungen im Schönforstwinkel treffen sich regelmäßig Neonazis aus der Region – manchmal bis zu 30 Personen. Es wird laut rechte Rockmusik abgespielt, Anwohner fühlen sich bedroht. Nach Monaten macht die Polizei dem braunen Spuk ein Ende. Bei Hausdurchsuchungen werden CDs mit Texten, in denen zur Ermordung von Türken und Juden aufgerufen wird, gefunden. Staatsschutzbeamte finden zudem Hakenkreuzfahnen und Baseballschläger.

Heute hat sich aus diesem Umfeld der „Sturmbund Aachen“ (SBA) gebildet. Mit einem Flugblatt wollte der SBA – ohne sich als Neonazi-„Kameradschaft“ zu erkennen zu geben – Jugendliche anwerben. Angesichts einer „Zersetzung“ der Jugendkultur durch ominös umschriebene „Fremdeinwirkung“ aus Amerika sollten sich Jugendliche lieber dem SBA anschließen, hieß es. Als Gründungstrio gelten ein wegen Tragens von Hakenkreuzen in der Öffentlichkeit vorbestrafter Stolberger, ein Mittzwanziger aus der Zeppelinstraße und ein gebürtiger Heinsberger, der heute auf der Triererstraße wohnt. Er war bei der letzten Kommunalwahl in Heinsberg und zur Landtagswahl 2005 im Raum Neuss NPD-Kandidat. Der 21-Jährig und Mitläufer besuchen ein Berufskolleg im Bereich Hüls, wo rechte Aufkleber und Schmierereien auftauchten.

Der SBA besteht aus Neonazi-Skinheads und Fans des „National Socialist Black Metal“ (NSBM). Der „nationalsozialistische“ Black Metal ist eine Abspaltung der heterogenen Musikszene des Black Metal. Die brutal klingende, rasante Spielart des Heavy Metal entstand in den 1980er Jahren und richtet sich gegen Humanismus, Christen- und Judentum. Der weitaus radikalere NSBM entstand in den 1990er Jahren in Skandinavien. Unter Musikern kam es zu Morden, sie setzten Kirchen in brand. SBA-Anhänger hegen Sympathien für jene Kultfiguren. Gleichfalls bezeichnet man sich als „Nationale Sozialisten“ oder „Autonome Nationalisten“. Trotzdem man so vorgibt, keiner Partei anzugehören, gibt es personelle Überschneidungen zwischen SBA und NPD.

Die NPD-Ortsgruppe Aachen hält ihre Sitzungen in Gaststätten im Ostviertel ab. Mitte 2005 hatte die NPD in der Kaiserstadt Aufwind verspürt. Pressesprecher Oliver Harf hatte angekündigt, man wolle bei der Kommunalwahl 2009 in den Rat einziehen. Im Herbst hatten Harf und der Vorsitzende des Aachener NPD-Kreisverbandes, Willibert Kunkel, mit rund zehn „Kameraden“ denn auch schon einmal provokativ eine Ratssitzung besucht.

Ende 2006 erlebte die NPD in Aachen indes Tiefschläge. Von Kunkel auserkorene „Führungskader“ standen wegen Wohnortwechsel nicht mehr zur Verfügung. Am 3. November 2006 kam es auf einer NPD-Sitzung zum Disput zwischen Kunkel und Aachener NPD-Leuten, darunter auch SBA-Männer. Auslöser waren Probleme mit dem Führungsstil des 56-jährigen Stolbergers, der jedoch bis heute die NPD-Ortsgruppe Aachen kommissarisch leitet.

Die Neonaziszene hat sich radikal verjüngt. So gründete sich im Oktober 2006 ein Aachener „Stützpunkt“ der NPD-Jugend „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Neben im Internet veröffentlichter, teils ausländerfeindlicher Stellungnahmen will die JN-Aachen neue „Kameraden“ gerade unter Fußballfans werben. Unter ihnen seien „grundsätzlich viele Nationalisten, die [...] nicht viel Überzeugungskraft für unsere Ideen brauchen!“ verkündeten sie.

Seit Dezember 2006 ist eine „Anti-Antifa Aachen“ aktiv. Auf ihrer anonym betriebenen Homepage [1] wird gegen politische Gegner gewettert – und es wurden ähnlich eines Prangers Bilder von vielen Menschen veröffentlicht, die an Protesten gegen Neonazis in Düren teilnahmen, darunter der DGB-Chef in der Region, Heinz Kaulen. Nach Recherchen unserer Zeitung bilden maßgeblich ein SBA-Anführer und ein 17-jähriger Aachener aus dem Umfeld der „Nachwuchs“-Gruppe [2] der „Aachen Ultras“ die örtliche „Anti-Antifa“-Gruppe. Brisant: der Jugendliche ist auch Jugendschiedsrichter im Verbandsförderkader des Fußball-Verbands Mittelrhein [3].

Die „Aachen Ultras“ sind ein heterogener, unpolitischer Zusammenschluss von Alemannia-Fans. Als die Gruppe im Fanhaus in der Liebigstraße in der Halloween-Nacht eine Party feierte, kam es zu einer schweren Schlägerei. Trotzdem unter den „Ultras“ auch wenige Rechtsextreme vermutet werden, griffen Neonazis der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) das Haus an. Vorangegangen war ein Hausverweis für einen Neonazi. Die KAL-Männer, zuvor schon in Alsdorf in einer Schlägerei verwickelt, griffen das Haus noch in der Nacht als eine Art von Rache an. Es kam zu mehreren Verletzten, 14 Ingewahrsamnahmen und 35 Personalienfeststellungen durch die Polizei.

Besucher jener Fete war auch Sascha Wagner, einst einer der aktivsten Neonazi-Kader in der Region. Wagner ist heute stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer des NPD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Bis heute hält der Wahl-Pfälzer sehr enge Kontakte in die Region und besucht nach Ablauf von Stadionverboten wieder regelmäßig Heimspiele der Alemannia. [© Michael Klarmann; für AN]

[1] Die Homepage der „Anti-Antifa Aachen“ wurde offenbar am 4. Januar für mehrere Stunden aus dem Netz genommen – möglicherweise aufgrund der Berichterstattung. Unterdessen ist sie wieder erreichbar und ein SBA-Mitglied bezichtigt sich selbst der alleinigen Herausgeberschaft.

[2] Unterdessen haben auch die „Ultras“ besagte Person aus ihrem Umfeld ausgeschlossen. „Klarmanns Welt“ dokumentiert die Presserklärung der Aachen Ultras vom 4. Januar 2007 (AN-Eingang am 5. Januar):

Die Aachen Ultras stellen mit Bedauern fest, dass der Name unserer Gruppe sowie unserer „nAChwUchs“ Gruppierung in dem Zeitungsartikel der Aachener Nachrichten („Rechtsextreme Szene formiert sich“) vom 4.Januar 2007 erwähnt
wird. Wir distanzieren uns ausdrücklich von allen im Artikel aufgeführten Organisationen und Gruppierungen. Die Aachen Ultras sind keine politische Vereinigung und möchten auch nicht als solche verstanden werden. Vielmehr bildet unsere Gruppe einen Zusammenschluss aktiver junger Fussballfans aus Aachen und der Region, zu der sich ca. 70 Personen zählen.

Wie es der Autor des Artikels richtig formuliert, handelt sich bei den Aachen Ultras um einen „heterogenen, unpolitschen“ Personenkreis. Personen unterschiedlicher Herkunft, aus den unterschiedlichsten sozialen und gesellschaftlichen Schichten und mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen sind Mitglied bei den Aachen Ultras. Die politische Meinung unserer einzelnen Mitglieder ist für unsere Gruppe irrelevant. Wichtig ist uns jedoch, dass Personen, welche sich innerhalb unserer Gruppe und in unserem Umfeld aufhalten den Grundsatz „Soccer no Politics“ beherzigen und politische Themen beim Fussball außen vor lassen. So haben die Aachen Ultras auch niemals mit politischen Spruchbändern, Choreographien oder Fangesängen auf sich aufmerksam gemacht.

Wir möchten betonen, dass sich die im Bericht genannte Person, welche sich in unserer „nAChwUchs“ Gruppierung aufhielt, nach Erscheinen des Zeitungsberichtes aus der Gruppe ausgeschlossen wurde, da das politische Engagement dieser Person den Ruf unserer Gruppierung geschädigt hat und für die Aachen Ultras so nicht mehr tragbar ist. Wir möchten nochmals klar stellen, dass innerhalb unserer Gruppierung ein Konsens darüber herrscht, jegliche politischen Ideologien beim Fussball nicht zu tolerieren, zu propagieren oder gar zu unterstützen.

Wir verbleiben mit schwarz-gelben Grüßen. Aachen Ultras seit 1999

[3] Der 17-Jährige ist seit Ende Dezember 2006 laut FVM nicht mehr dessen Schiedsrichter. Offenbar wurde wegen der Feiertage/Ferien die FVM-Homepage diesbezüglich (bis gestern) nicht auf den neuesten Stand gebracht. Dazu folgende PM dokumentiert:

Presseinformation: Unterstützer der Aachener rechtsextremen Szene ist kein Schiedsrichter

Der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) e.V. hat heute in aller Entschiedenheit die Behauptung in den Aachener Nachrichten vom 04. Januar 2007 zurückgewiesen, dass einer seiner 17-jährigen Schiedsrichter und zugleich Angehöriger des Verbandsförderkaders bei der Neuformation der Aachener rechtsextremen Szene mitmische. Im Verbandsförderkader des FVM und auf der Aachener Schiedsrichterliste befindet sich kein Jugendlicher, auf den das in den Aachener Nachrichten beschriebene Profil passt. „Der von der Zeitung in Bezug genommene Jungschiedsrichter ist durch Beschluss vom 14. Dezember 2006 durch den zuständigen Ausschuss wegen Interessenlosigkeit als Schiedsrichter aus unserem Verband ausgeschlossen worden und hat mit dem FVM nichts mehr zu tun. Von den beschriebenen rechtsextremen Aktivitäten haben die verantwortlichen Mitarbeiter und die Verbandsspitze erst heute erfahren. Jemand, der solche Strömungen unterstützt, hat bei uns ohnehin keinen Platz. Der FVM unterstützt mit dem DFB den Kampf gegen jede Form von Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der Gesellschaft wie im Fußball“, sagte FVM-Präsidiumsmitglied Jan F. Orth hierzu heute. [Textquelle: Pressemitteilung des Fußball-Verbandes Mittelrhein; 4. Januar 2007
5.1.07 22:13
 



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