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Soziales/Vollzug: Forensik-Pädagogen warnen vor Endstationen in den gerichtlichen Psychiatrien

Aachen. Der Bundesverband Pädagogik in der Forensik warnt vor einem Paradigmenwechsel im Maßregelvollzug in den forensischen Kliniken. Man befürchte, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes, Florian Johanning, dass in Nordrhein-Westfalen in allen speziell gesicherten Psychiatrien "Longstay-Stationen" eingerichtet werden. In diesen sollten als nicht therapierbar eingestufte Patienten weniger betreut werden, als andere Insassen.

Gesetzlich vorgegebenes Ziel der Inhaftierung von psychisch oder suchtkranken Straftätern ist es, diese wieder in die Gesellschaft zu integrieren. In den "Longstay-Stationen" – derzeit laufen Pilotprojekte in den Forensiken in Düren und Lippstadt-Eickelborn – werde der "Gedanke der Resozialisierung zurückgenommen", sagte Johanning. In diesen Einrichtungen sollten Patienten mit "geringem Behandlungsbedarf" nur noch verwahrt werden. Pädagogikprogramme, die neben Allgemeinwissen auch lebenspraktische und soziale Kompetenz vermittelten, drohten abgebaut zu werden, warnte Johanning in Aachen am Rande der 14. Bundesfachtagung der PädagogInnen in der Forensischen Psychiatrie.

Hintergrund der befürchteten Einführung von "Longstay-Stationen" in allen NRW-Forensiken seien Sparvorhaben, sagte Johanning am Mittwochabend der "taz". "Ausgesonderte Patienten" sollten nur noch ein "Minimalangebot" bei Betreuung und Pädagogik erhalten. Zwar werde vonseiten der Anstaltsleitungen und Politik beteuert, Menschen könnten sich bewähren und diese "Endstationen" auch wieder verlassen. Aber wie solle jemand das schaffen, ohne Betreuung und Perspektive, fragte Johanning.

Fraglich sei überdies, ob "Longstay-Stationen" zu Einsparungen führten. Johanning, der in der Forensik im niedersächsischen Moringen arbeitet, sagte, dort würden 90 Prozent der Patienten spätestens nach zehn Jahren wieder entlassen, gut die Hälfte davon schon nach sechs Jahren. Fraglich sei daher, ob eine Verwahrung bis ans Lebensende letztlich für die Allgemeinheit nicht viel teurer sei. Überdies drohe in den Anstalten auf den "Longstay-Stationen" ein Anstieg regelwidriges Verhalten, was die Sicherheit innerhalb und außerhalb der Mauern gefährde. [© Michael Klarmann; für taz-nrw]
4.5.06 09:30
 
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