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Rechts: Idyllisch gelegene Angstzone im Aufbaustadium ? ein Ortstermin

Monschau-Konzen. Der Ort liegt verschneit da, die Temperaturen sind eisig. Der Reporter geht die Durchgangsstra?e entlang, ?ber die tagt?glich viele Eifeler in Richtung Aachen zur Arbeit fahren. Nachrichten machten unl?ngst die Runde, in Konzen seien ?rtliche Neonazis aktiv ? und das schon seit langem. Gr??ere Unruhe gab es deswegen aber erst, nachdem dar?ber Lokalmedien berichteten. Der Reporter schaut sich um, aber er sieht in diesem idyllisch gelegenen Ort keine Neonazis. Dass es sie gibt, davon zeugt indes ein Warteh?uschen an der Bushaltestelle "Kirche". Ein ins Holz geritztes Hakenkreuz, ein weiteres wurde daneben mit Filzstift geschmiert, erg?nzt um den Schriftzug "Sieg Heil" und den Namen der extrem ausl?nderfeindlichen Rechtsrock-Kultband "Landser".

Der Ortstermin f?hrt in die Redaktion der gemeinsamen Lokalausgabe der Eifeler Nachrichten/Eifeler Zeitung in Monschau-Imgenbroich. Der Reporter erz?hlt seinen Kollegen davon, dass seit den damaligen Berichten offenbar viel in Bewegung geraten sei. Er habe von B?rgern, Parteien und Schulen geh?rt, die das Problem Rechtsextremismus nun offen diskutierten und nach L?sungen suchten, etwas dagegen zu tun. Menschen suchten etwa nach Informationen zum Thema, auch um andere zu sensibilisieren. Ob denn die Lokalausgabe nicht eine Aufkl?rungsserie drucken m?chte: die Gefahr des Rechtsrocks als Quasi-Einstiegdroge schon f?r Kinder, die Symboliken und versteckten Codes der Szene oder eine Erkl?rung, was eine so genannte "National Befreite Zone" (NBZ) sei ? n?mlich ein Ort, in dem Ausl?nder oder Gegner von Neonazis jederzeit damit rechnen m?ssen, attackiert zu werden. Aber selbst, wenn derlei nicht passiere, k?nne schon das Drohpotenzial vorhanden sein und das NBZ-Konzept gegriffen haben. Der Kollege erwidert, dass sei wohl zu speziell, vielleicht w?re das ja etwas f?r die Jugendseiten im Mantel der Gesamtausgabe.

Ger?chten zufolge haben einige Schulen der Monschauer Region massive Probleme mit rechten Jugendlichen. Alleine von zwei Schulen wird erz?hlt, an denen jeweils bis zu 20 rechtsextreme Jugendliche unter den Sch?lern sein sollen. Eine Sch?lerin aus einem der vielen kleinen Ortschaften rund um Monschau und dem Rursee soll unl?ngst wegen ihrer ausl?nderfeindlichen und rechtsextremen Ansichten sogar von einer Schule verwiesen worden sein. Sie soll zuvor schon wegen derselben Gr?nde von einer anderen Schule geflogen sein. Ob es stimmt? Denn es wird viel getuschelt dieser Tage, gerade in Konzen. Irgendwie kennt jeder jeden, alle h?ren etwas, viele erz?hlen es weiter. Manche sind erstaunt, dass der als nett angesehene Sohn des Nachbarn, der Sohn des Gesch?ftspartners oder Vereins- und Parteifreunds etwas mit Neonazis zu tun haben soll. Einige finden, dass werde einfach verdr?ngt. Andere sagen, es seien gar keine Neonazis. Wieder andere finden, man wolle das Problem einfach nicht wahr haben. Menschen, die das Problem offen ansprechen, hei?t es, w?rden bedroht, andere h?tten schon lange Angst und w?rden das Problem erst gar nicht offen ansprechen. In der nahezu ausl?nderfreien Welt der Nordeifel, wo Ausl?nder zwar unter rechten Jugendlichen und manchen Erwachsenen offen als Feindbild dienen, aber fast nicht pr?sent sind, bef?rchten einige, l?ngst seien bald ihre Kinder, die den Mund gegen rechte Umtriebe aufmachen, diejenigen, die von Neonazis eingesch?chtert w?rden.

Mittelpunkt der ?rtlichen rechten Szene soll vor etwa einem Jahr ein selbst verwalteter Jugendraum gewesen sein, der in den Kellerr?umen einer Konzener Schule liegt. Im Fr?hjahr 2005 war dieser geschlossen worden ? wegen rechter Umtriebe, sagen die einen; wegen der vielen Jugendlichen, die einfach den Raum nicht vern?nftig verwaltet h?tten, dementiert der Vorstand des Raumes. Heute steht dieser wieder im begrenzten Rahmen der Jugendarbeit offen. Ein paar M?dchen malen gerade aus Pappmache und Draht geformte Blumen bunt an ? Requisiten f?r ein Theaterst?ck. Sie sind gut gelaunt und sehr freundlich zu dem Reporter. Keine Spur von Neonazis.

"Seit 2003 verfolgt uns das Ger?cht ?ber Neonazis", meint ein Vorstandsmitglied des Tr?gervereins f?r den Raum. Im Juni 2003 schon habe die Stadtverwaltung Bef?rchtungen ge?u?ert, dass es in dem Raum Neonazitreffen gebe. Da dem Tr?gerverein davon nichts bekannt gewesen sei, habe man bei der Stadt Monschau nachgefragt, was es denn f?r konkrete Anhaltspunkte gebe. Einen Monat sp?ter sei die Antwort erfolgt: es gebe nur vage Bef?rchtungen und gar keine konkreten Hinweise. Jedoch sei ein bekannter Neonazi ? damals wohnhaft in Konzen ? mehrfach im Raum gewesen, man habe ihm Hausverbot erteilt, so das Vorstandsmitglied. Man habe jedoch nichts dagegen unternehmen k?nnen, wenn er mit Gesinnungsgenossen auf dem Schulhof verkehrt habe. Es habe jedoch keine rechten Treffen in dem Raum gegeben, alles nur Ger?chte.

Menschen, die etwas gegen den braunen Spuk in Monschau, Konzen, Simmerath-Rollesbroich, Simmerath-Eicherscheid oder Steckenborn ? wie die Ortschaften hei?en ? tun wollen, sehen das anders. Namentlich genannt werden will fast keiner ? Angst um sich selbst oder um das Wohl der Kinder. Jedoch, so ein Mann, dem das Treiben der Neonazis gewaltig stinkt, habe es in dem Jugendraum damals auch Versammlungen von Neonazis gegeben ? dabei habe sogar eine Hakenkreuz-Fahne im Raum gehangen. Es gebe auch Fotos, die die Neonazis direkt vor dem Raum zeigten. Der Reporter blickt l?ngst nicht mehr durch ? war der Raum nun ?ber Monate ein Treffpunkt der rechten Szene, wie Kritiker sagen, oder ein Treffpunkt der ?rtlichen Jugend, die den Raum mehr und mehr verlottern lie?en, weswegen man ihn schloss, wie der Vorstand sagt?

Ein B?rger fragt den Reporter, ob er die rechtsextreme "Kameradschaft Aachener Land ? Sektion Nordeifel" kenne. Es gebe da Ger?chte, diese habe sich vor einigen Wochen in einer Gastst?tte im Hinterzimmer zwecks Gr?ndungsversammlung getroffen. Der Reporter sagt, besagte Gruppierung sei Antifaschisten und ihm schon seit mehren Monaten bekannt, dann k?nne wohl auch keine Gr?ndungsfeier stattgefunden haben. Ein B?rgerin erz?hlt, sie habe geh?rt, dass sich ?ber 20 Neonazis vor einigen Wochen in einem Hinterzimmer einer Kneipe versammelt und eine Liste von Gegnern aufgesetzt h?tten. Danach soll es sogar einige Anrufe bei den Betroffenen gegeben haben, dass sie auf einer "Feindliste" st?nden und blo? aufpassen sollten. Jugendliche h?tten Angst ? manche nutzten keine Schul- oder Discobusse mehr, sie lie?en sich nun von den Eltern per PKW zur Schule oder zu Feten bringen und wieder abholen. Wenn es schon so weit sei, sagt ein Jugendlicher, m?sse man eigentlich vor den Wohnungen der bekanntesten Neonazis der Gegend Demonstrationen abhalten. Man m?sse deren Nachbarn sagen, wer da neben ihnen lebe und dass der- oder diejenige m?glicherweise zu denen geh?rten, die anderen Menschen drohen und Hassmusik h?ren, in der dazu aufgerufen wird, Ausl?nder, Linke und Juden zu ermorden.

Es ist Nacht geworden in Konzen. Die Durchgangsstra?e ist verweist, in den Nebenstra?en herrscht Stille. Nur selten rollen noch Autos ?ber die Hauptverkehrsader, auf der tags?ber die Autos Sto?stange an Sto?stange fahren. Der Reporter schaut sich noch einmal um. Ihm f?llt auf, dass die breite Hauptstra?e hell ausgeleuchtet ist. Allerdings liegen gro?e Teile der B?rgersteige daneben im dunklen. Nachts, denkt sich der Reporter, kann es einem in der Idylle schon mulmig werden. [? Klarmann]
23.2.06 13:05
 
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