Klarmanns_Welt

  Startseite
  Archiv



  Links
   Kunden:
   Aachener Friedenspreis
   Aachener Nachrichten
   Aachener Zeitung
   Archiv der Jugendkulturen
   Blick nach Rechts
   DJV (Bezirk Aachen)
   DJV-NRW
   Konkret
   Ox
   Telepolis
   
   Kunden (sporadisch):
   BpB
   PapyRossa
   Rheinische Post
   tageszeitung
   Visions



kostenloser Counter

IP

https://myblog.de/klarmann

Gratis bloggen bei
myblog.de





GegenMitte: Langerwehe will nicht mit den BgR-Schmuddelkindern spielen [update2]

Langerwehe. Nach Informationen des Dürener Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Rassismus (BgR) und der örtlichen Bündnisgrünen hat der Gemeinderat Langerwehe es abgelehnt, dem BgR beizutreten. Diese Entscheidung dürfte insofern interessant sein, da dem BgR bislang neben vielen Initiativen, Vereinen, Gewerkschaftsgruppen, Schulen und Einzelpersonen auch kommunale Gremien wie Gemeinde- und Stadträte beigetreten sind – die zum Teil weitaus weniger Probleme mit Neonazis haben, als Langerwehe. Ein Auslöser für die BgR-Ablehnung dürfte sein, dass im BgR neben zahlreichen anderen Mitgliedern auch die Antifa Düren vertreten ist, der in diesem Zusammenhang linksextreme Bestrebungen vorgeworfen werden. Mit angeregt hatte die Diskussion dazu unter anderem ein örtlicher Neonazi-Anführer.

Nach Informationen der Bündnisgrünen hat der Gemeinderat am Abend des Nikolaustages den von den Grünen in Langerwehe eingebrachte Antrag mit den Stimmen der CDU, der FDP und der VfB abgelehnt. Die dreizehn Gemeinderatsmitglieder der CDU, die beiden der FDP und ein Mitglied der VfB stimmten demnach dagegen, dem BgR beizutreten. Sieben Mitglieder der SPD und zwei der Grünen stimmten demgegenüber für einen Beitritt. Der Bürgermeister lehnte es ebenfalls ab, sich als Gemeinde dem BgR anzuschließen. In einer Pressemitteilung schreiben die Grünen:

„Mit großer Enttäuschung haben [wir] zur Kenntnis genommen, dass der Gemeinderat [dem] Beitritt [...] in das Bündnis gegen Rechtsextremismus Düren abgelehnt hat. Eine einmalige Gelegenheit der Distanzierung wurde vertan und stattdessen ein fatales Signal gesendet: Die Gemeinde Langerwehe ist die erste Gemeinde, die aktiv einen Bündnisbeitritt ablehnt – dabei wäre sie neben den anderen vier Gemeinden, die bereits Mitglieder sind, in bester Gesellschaft gewesen. Wir Grüne distanzieren uns von jeglicher ‚Mitglieder-Diskussion’. Bei der Abstimmung [...] ging es alleine um die Frage, ob einem friedlichen und demokratischen Verbund beigetreten wird.

Auch ist es uns ein Rätsel, auf welcher Basis eine solche Diskussion geführt wird, wo der Verfassungsschutzbericht des Bundes und des Landes NRW keinerlei Erwähnung von linksextremen Strukturen in unserer Region finden, geschweige denn die ‚Antifa Düren’ ausdrücklich ansprechen. Sehr wohl aber ist jedenfalls uns bekannt, dass die Region Düren im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW auftaucht und dies ausschließlich wegen der Bildung rechtsextremer Strukturen [...]. Während weiterhin das Bündnis für Toleranz und Demokratie, eine bundesweite Initiative, ins Leben gerufen von den Bundesministerien des Innern und der Justiz, vor kurzem das Dürener Bündnis als ‚vorbildlich’ ausgezeichnet und prämiert hat, haben die Vertreter im Gemeinderat Langerwehe dennoch ein großes Problem mit diesem Bündnis [...].“

In der Gemeinde Langerwehe lebt der einschlägig vorbestrafte Anführer der Neonazigruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), der zugleich stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Düren ist. Zudem wohnen auch andere, teils einschlägig vorbestrafte Neonazis aus dem KAL-Umfeld in Langerwehe. Ein mehrfach wegen verschiedener Straftaten verurteilter Neonazi nannte Langerwehe in einem internen Forum seinerzeit „Reichshauptdorf“. Zeitweise verkehrten Rechtsextremisten in zwei örtlichen Gaststätten, unlängst kam es im Ortsteil Jüngerdorf auf einem „Oktoberfest“ eines örtlichen Vereins zu einer Schlägerei unter Beteiligung von Neonazis der KAL.

Im Umfeld der Gesamtschule verteilten Neonazis schon rechtes Propagandamaterial. Ehemalige Schüler und Eltern von Schülern wiesen gegenüber „Klarmanns Welt“ mehrfach darauf hin, dass in den letzten Jahren wiederholt – meist phasenweise – auf der Schule unter einzelnen Jugendlichen Rechtsrock via CD-R oder MP3-Player kursierte. Der KAL-Anführer soll unterschiedlichen Quellen zufolge Schüler der Schule vor Jahren mehrfach zu sich nach Hause eingeladen haben, um Rechtsrock zu hören; gegenüber „Klarmanns Welt“ bestritt der Neonazi-Anführer dies unlängst jedoch.

Zu Beginn der Diskussion um einen BgR-Beitritt hat sich – wie erst nun bekannt wurde – auch der KAL-Anführer und NPD-Funktionär aus Langerwehe in dieselbe eingebracht. Nach „Klarmanns Welt“ vorliegenden Informationen schrieb der Neonazi im April 2007 einen Brief an den Bürgermeister von Langerwehe, der allen Fraktionen im Rahmen der Abstimmung zur Kenntnisnahme vorlag. Der einschlägig vorbestrafte und bei Treffen und Feiern gerne dem Alkohol zusprechende Neonazi, der in den letzten Monaten abermals aufgefallen ist im Umfeld von Gewaltdelikten, fragt weiter, „wo soll denn diese rechte Gewalt in Langerwehe sein?“

Vielmehr, so heißt es in dem Schreiben, gebe es ein massives Problem der Drogen-, Ausländer- und „Russenmafia“-Kriminalität in der Gemeinde. Deutsche Jugendliche seien perspektivlos, würden sich nach der Schule betrinken und Drogen nehmen, wird behauptet. Es handele sich dabei um deutsche Jugendliche, „die bisher ständig zu kurz“ gekommen seien. Überdies würden NPD und KAL „diskriminiert“. Angeblich, heißt es dann weiter, habe die als militant geltende Antifa Düren eine Neonazi-Veranstaltung attackiert und den Angriff habe die Polizei nur mittels Schlagstockeinsatz beenden können [1]. Indes sei Langerwehe „schon seit Jahren ein ‚nationaler Haupttreffpunkt’ in der Region Düren und soll dies auch so bleiben“.

In Langerwehe setzte sich vor etwa anderthalb Jahren die Schülergemeinschaft der Gesamtschule für den Verbleib eines Migranten in Deutschland ein, dessen Familie die Abschiebung drohte. Zugleich wiesen Lehrer auf einer Abendveranstaltung auch darauf hin, dass das Gros der Schüler die Neonazis aus dem KAL-Umfeld, die auf dem Exmouth-Platz vor der Schule schon mal rechte Propaganda verteilt und von ihrer Vorstellung des „Vaterlandes“ geschwärmt hatten, als „Spinner“ ansahen. Die Gemeinde selbst hat zudem laut Lokalpresse [2] und trotz ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem BgR beschlossen, als Zeichen gegen Rechts zusätzliche Ortsschilder aufzustellen – Aufschrift: „Langerwehe hat keinen Platz für Gewalt und Rassismus“. [© Klarmann]


Lesermeinungen zu diesem Beitrag (geben nicht unbedingt die Meinung vom KW wieder; KW behält sich Sinn wahrende Kürzungen vor)]
–– Ellen: „Welch ein Trauerspiel und wieder eine Chance des konstruktiven, demokratischen Gemeinsinns vertan. Ob Langerwehe, Stolberg-Zweifall oder anderswo: ‚Was man am wenigsten kennt, verteufelt man am meisten!’ Müssen denn erst Häuser brennen, ehe man Stellung bezieht? Man kann gerne zur Antifa stehen wie man will, aber gäbe es sie nicht, müsste man sie glatt neu erfinden. ...und spielen mit ‚Schmuddelkindern’ kann sooooo schön und fruchtbar sein
(Ergänzung am 8. Dezember, 11.15 Uhr, gepostet)


[1] Hintergründe zu diesem „Angriff“, den seinerzeit auch Teile der von der NPD als kaum glaubwürdig angesehenen Lokalpresse verbreiteten, lasen sich seinerzeit bei „Klarmanns Welt“ anders, siehe: Antifa schlägt NPD/KAL mit 180 zu 100. Einen Schlagstockeinsatz hat es an diesem Tag nicht gegeben, der angebliche „Angriff“ alias das Gerangel hatte sich daran entzündet, dass Gegendemonstranten friedlich, jedoch provokativ versucht hatten, ein Absperrgitter zu blockieren, damit an der Stelle keine weiteren Neonazis das Fest der KAL und NPD betreten konnten. Aus einigen, während des Gerangels umgetretenen Bierflaschen wurden einer späteren Legende nach Flaschenwürfe. Und selbst in der damals von der NPD verbreiteten Pressemitteilung war von einem Schlagstockeinsatz nicht die Rede.
[2] Direktlink
7.12.07 14:19
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung