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Rechts: Von Demokratiefaschisten und dem Subjekt Friedmännlein sprach das Pastörchen

Erkelenz. Ein brillanter Redner ist er nicht – jedoch ein provokanter: „Demokratiefaschisten“ nennt er CDU, „Sozialdemokröten“, Linkspartei und noch mal die „Kröten, die ich zuvor nannte“. All jene, sagt Udo Pastörs, seien Teil des „verfaulten Parteiensystems“, das den Rechtsextremisten mit „Terror und Hetze“ begegne. Berlin nennt er die „Reichshauptstadt“, den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern „Palaverbude“ ohne Sinn und Zweck. Gelegentlich applaudieren ihm die „Kameraden“, wenn er denn besonders kämpferisches oder einen Kraftausdruck von sich gibt. Richtig mitreißend wird die Rede aber erst, als er süffisant und genüsslich über Michel Friedman herzieht.

Am Pfingstsamstag war Pastörs Redner des NPD-Kreisverbandes Heinsberg [1]. Seine „Kameraden“ hatten sich für ihn etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die NPD kündigt zwar in einem Flugblatt, das seit Jahren in verschiedenen Auflagen erscheint, an, dass sie nach einem Wahlsieg nahezu alle Ausländer aus Deutschland abschieben will. Doch ähnlich wie die Partei ihren 40. Geburtstag in Stolberg bei einem Türken feierte [2], darf Pastörs in Erkelenz in einem Saal eines von einem Migranten geführten Lokals sprechen. Ob das, was Pastörs an jenem Samstag alles sagt, deswegen nur selten plakativ ausländerfeindlich ist, weil dem Wirt eintreffende Polizeibeamte im Lokal peinlicher sind, als rund 100 Rechtsextremisten und Neonazis in seinem Saal? Einmal jedenfalls packt es Pastörs. Deutschland, meint er, müsse wieder stark werden. Was man brauche, das seien „deutsche Kinder“ – „und keine Türken oder Hottentotten.“ Das ist dann so ein Moment, wo die „Kameraden“ applaudieren, sehr sogar.

Pastörs stammt aus dem Kreis Heinsberg. In Wegberg ging er zur Schule, lernte in Mönchengladbach das Uhrmacherhandwerk und besuchte später die Meisterschule in Köln. Zu seiner Bundeswehr-Zeit bildet er sich schon fort im kaufmännischen Bereich und macht sich parallel schon selbstständig als Uhrmacher und Händler. Sein Laden in Hückelhoven, wird es später in der Region heißen, sei angesehen gewesen – ebenso wie Pastörs selbst, der bei seiner Rede die Flagge des Mittelstandes kurz hochhält und gegen den „Brutalkapitalismus“ wettert. Der sei eng verwoben mit der „Parteiendiktatur“, jenem „verfluchten System der Blockparteien“, das laut Pastörs der „Nationale Widerstand“ „wirklich radikal ausschalten“ müsse.

Pastörs weiß, was er sagt, aber noch besser, wie er es sagen muss, damit es nicht böse – meint strafrechtlich relevant – endet. Heute Chef der NPD-Fraktion im mecklenburg-vorpommerischen Landtag schwärmt er vom Wahlkampf, den man gemeinsam mit den „freien Kräften“ – meint: gewaltbereite „Kameradschaften“ – geführt habe. 10.000 Plakate habe man „an die Laternenmasten gehängt“, sagt er und ergänzt grinsend: „Vorerst nur Plakate!“ Da schmunzelt das Publikum und Pastörs windet sich wieder heraus aus dem Bild aus den Zeiten Hitler-Deutschlands, als Vaterlandsverräter und Deserteure noch an Laternenmasten aufgeknüpft wurden. „Später...“ eiert er herum, hänge man vielleicht „Videoanlage“ dorthin...

Die NPD brauche Mitglieder und Helfer, sagt Pastörs, die „absolute Unerschrockenheit“ zeigten. Wer an Gewalt denkt, wird eines besseren belehrt. Pastörs meint nämlich eigentlich, Intelligenz und Bildung sei die Waffe des „Nationalen Widerstandes“. Bildung und Wissen seien „die Kanonen, mit [denen] wir diesen Saustall in Berlin zusammenschießen müssen,“ ruft er. „Nicht Stahl, sondern Intellekt, Wissen, Überlegenheit [...] und unbeugsamer Willen,“ sei jene Kraft. Da sei kein Platz für „Wochenenderevolutionäre“. NPD und „Nationaler Widerstand“ müssten kämpfen – und zwar gegen „die Erfüllungsgehilfen fremder Mächte,“ ruft Pastörs. Bestenfalls meint er damit die so genannten US-amerikanischen Interessen und Kapitalisten – schlimmstenfalls könnte er jedoch auch die Juden meinen?

Pastörs bezieht sich in seiner Rede später auf den notorischen Antisemiten Horst Mahler und lobt seinen „alten Kameraden Thies Christophersen“, der 1973 mit seiner Schrift „Die Ausschwitz-Lüge“ zu einem der Säulenheiligen der Holocaust-Leugner wurde. Kurz darauf nennt Pastörs Berlin die „Reichshauptstadt“ und ergänzt: „Wo zurzeit noch die Knesset an der Spree bestand hat.“ Großes Raunen und Applaus für so viel Offenheit von den „Kameraden“ im Saal. Und dann spricht Pastörs noch von seinem Zusammentreffen zwecks Aufnahme einer letztlich nicht ausgestrahlten TV-Sendung mit Michel Friedman, der ehemalige Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Über den lästert Pastörs genüsslich – und hier wird er plötzlich für seinesgleichen zum brillanten Redner. Er imitiert Friedman, den Pastörs „Friedmännlein“, „Subjekt“ und „Gauner“ nennt – und die „Kameraden“ finden das gut und lachen. [© Klarmann]

[1] Pastörs bei Saalveranstaltung des NPD-KV Heinsberg / Verstoß gegen Waffengesetz?
[2] NPD feiert ihren Vierzigsten beim Türken und Kunkels Moorsoldaten-Wünsche
3.6.07 17:42
 



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