Rechts: Die andere Deutsche Einheit – Ausländer, Asylbewerber, Polizisten, "Unarische" und "Undeutsche" als Opfer rechter Gewalt beisammen
Aachen. Zwei Dinge dürften am meisten beklemmen, so man derzeit im Cafébereich des "Che-Hauses" auf die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt" schaut. Erstens: seit 1990 gab es demnach in Deutschland 131 Tote durch rechte Gewalt. Zweitens: fallen einem zu Begriffen wie Mölln (1992, Brandanschlag, drei tote Türkinnen) und Solingen (1993, Brandanschlag, fünf tote Türkinnen) noch Details ein, schwindet beim Begriff "Hetzjagd von Guben" (1999, ein Toter) die Erinnerung – vergessen sind jedoch Namen wie Agostinho Comboi (1991 in Friedrichshafen erstochen) oder Stefan Grage (1997 von einem Neonazi erschossener Polizist).
Dass man – so man will – von diesen Ermordeten erfährt ist der Opferperspektive Brandenburg zu verdanken. Nach Aachen geholt hat deren Ausstellung der Allgemeine Studierendenausschuss der RWTH. Und der will, sagt Maike Weißpflug vom AStA, so die Opfer in Erinnerung rufen. Am Sonnabend wurde die Ausstellung vor rund 20 Interessierten eröffnet. Dokumentiert wird auch, dass manche Fälle zu öffentlicher Empörung führten. Viele der Toten sind jedoch vergessen. In den Strafprozessen gegen die Mörder wurde deren menschenverachtendes Weltbild nur selten thematisiert.
Auch wenn die Opfer oft Ausländer oder Asylbewerber sind. Es traf auch anderes, im rechten Weltbild "undeutsches" Leben. Etwa Marinus. Den 16-jährigen Deutschen lockten im Jahr 2002 im brandenburgischen Potzlow drei alkoholisierte Neonazis in einen ehemaligen Schweinestall. Sie verhöhnten und quälten ihr Opfer über Stunden, zwangen den Schüler schließlich, in die Kante eines Schweinetrogs zu beißen. Dann sprang einer dem Jungen ins Genick, ehe das Trio noch einen Stein auf dessen Kopf schleuderte. Die Leiche warfen die Neonazis in eine Jauchegrube.
Auch wenn die 131 Toten erschüttern, es könnten auch mehr sein. So folterten drei Männer und zwei Frauen der rechtsextremen Szene im Juni 2004 in Frankfurt (Oder) einen 23-Jährigen. Einer der Täter nannte das Opfer "nicht arisch" und "weniger wert als ein Hund". Man schlug und trat den Deutschen, fügte ihm mit einem Bügeleisen sowie Spray, Zigaretten und Feuerzeugen Brandwunden zu, er musste Weichspüler und einen Drogencocktail schlucken. Mit Holzstilen verletzten die Neonazis das Opfer anal, nur eine Notoperation rettet ihm später das Leben.