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Rechts: Wie ein großer Integrator aus sieben NPD-Leuten eine Art Großfamilie schuf

Düren. Selten waren sich die NPD, ihre Gegner und der polizeiliche Staatsschutz so einig wie am Wochenende. Stadt und Kreis Düren, hieß es im Einklang, werden nicht zur Ruhe kommen. Die NPD wird weiter Treffen organisieren, Menschen werden wieder dagegen auf die Straße gehen und die Polizei wird dann mit Großaufgeboten vor Ort sein. Am Freitag (5.1.) demonstrierten rund 300 Menschen gegen den braunen Spuk.

Anlass war die Gründungsfeier des NPD-Kreisverbandes Düren. Eigens dazu hatte die Partei das rechtsextreme Duo „Frei & Stolz“ aus Wilhelmshaven eingeladen. Ingo Haller, NPD-Kreisvorsitzender aus Inden-Pier und kürzlich befördert zum Betriebsleiter eines großen Veranstaltungsservice, spricht von den Liedermachern als seine „Haus- und Hofband“. Seit Sommer ist das Duo mehrmals in Düren aufgetreten. In der rustikalen Gaststätte „Gütershop“ trat das Duo am Freitag vor einem NPD-Plakat auf, auf dem türkische Frauen von hinten zu sehen sind, die Tüten schleppen und sich vom Betrachter fort bewegen. Überschrift: „Gute Heimreise!“ Meint: „Ausländer raus!“ Doch ausländerfeindlich will die NPD nicht sein. Haller sagt, man sei „inländerfreundlich“.

Der „Gütershop“ am Bahnhof ist längst ein NPD-Stützpunkt. Hier trafen sich im Januar 2006 sieben Parteimitglieder. Sie gründeten den noch unbedeutenden Ortsverband Düren. Einfluss auf das Parteigeschehen haben nur große Kreisverbände und Haller wollte einen solchen schaffen. Der Mittdreißiger ist ein Organisationstalent. Er gilt als großer Integrator für jung und alt sowie alle sozialen Schichten – wahlweise Chef, „Kamerad“, netter Schwiegersohn, großer Bruder oder Mädchenschwarm. Haller will bei den Wahlen 2009 mit „Kameraden“ in die Kommunalparlamente im Kreis Düren einziehen. Bei der NPD-Landesvorstandswahl 2008 wird er einen Vorstandsposten erringen, munkelt man schon heute.

Heute gilt die rechte Szene im Raum Düren als eine der aktivsten in NRW. NPD-Infostände gab es. Die Partei will eigenhändig in drei großen Aktionen fast 50.000 sozialdemagogische, teils ausländerfeindliche Flugblätter in Hausbriefkästen verteilt haben. Im „Gütershop“ fanden Schulungen, Versammlungen und Stammtische statt. Dort gab es mehrere Feste mit rund 100 Besuchern. Sogar einen „Galaball“ will Haller im Raum Düren, abgelegen und unbemerkt von der Öffentlichkeit im Saal einer Gaststätte gefeiert haben. Dabei soll am 18. November eine örtliche Tanzkapelle für die knapp 200 NPD-Gäste aufgespielt haben. Während Haller schon eine Neuauflage plant, will die Polizei bis heute nicht wissen, ob der Ball stattgefunden hat. Staatsschützer fragen sich, wann der NPD das Geld ausgeht. Doch Haller rühmt sich einiger Spender. In Szenekreisen spricht man von „einem großen Förderer im Hintergrund“. NPD-Pressesprecher Peter Bangert sagt, man plane in Düren eigene Frauen- und Jugendgruppen, einen „Ordnerdienst“ und eine „nationale Zeitung“ mit Jugendteil.

Ende Dezember hatte Haller der eigens angereisten NPD-Landesspitze Vollzug gemeldet. Auf einer Mitgliederversammlung im „Gütershop“ wurde der Ortsverband in einen Kreisverband (KV) umgewandelt. Haller sagt zur Zahl der Mitglieder nur, der KV sei „stark“ und liege „weit über“ NPD-Bundesdurchschnitt. Beobachter gehen davon aus, dass dem KV rund 50 Personen angehören. In zwölf Monaten sind auffallend viele junge Leute, darunter Mädchen, aber auch Frauen Mitglied oder „Anwärter“ geworden. Als stellvertretender KV-Chef fungiert René L. aus Langerwehe. Der bullige Glatzkopf ist zugleich „Kameradschaftsführer“ der Neonazigruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL). L. ist einschlägig vorbestraft, etwa wegen Falschaussagen vor Gericht und Volksverhetzung. KAL-Leute waren in der Halloween-Nacht an Massenschlägereien in Alsdorf und Aachen beteiligt. In der Nacht vom 2. auf den 3. September lieferten sich „Kameraden“ Schlägereien im Raum Simmerath. KAL-Leute saßen schon in Haft, sie begreifen sich teils als „Räumkommando“ für die NPD, heißt es in Szenekreisen. Doch Haller findet, die KAL habe „bewiesen, dass sie effektiv und friedlich arbeiten“ könne. Man werde weiter eng kooperieren. Pressesprecher Bangert verlangt gar, Dürener NPD-Leute müssten sich zu den „demokratischen und sozialen Grundsätzen des deutschen Grundgesetzes“ bekennen.

Im „Gütershop“ waren am Freitag die Holztische mit Planen im Muster der alten Reichskriegsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) gedeckt. Die Polizei hatte das Lokal abgeriegelt. Gegendemonstranten wurden aus einer Dachgeschosswohnung von Neonazis abgefilmt, wie schon bei Protesten im Oktober. Die Bilder der damaligen, antifaschistischen Demonstranten hatte später die „Anti-Antifa Aachen“ im Internet veröffentlicht. Untertitel und Drohung: „Antifa heißt Angst“. [© Michael Klarmann; für AN (Politk)]
7.1.07 21:50
 



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