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GegenRechts: 220 bis 300 (Gegendemonstranten) zu 120 (NPD) [update4 (und schluss!)]

Düren. Am Freitag haben am späten Nachmittag 220 bis 300 Menschen in Düren gegen eine Veranstaltung der NPD demonstriert. Sie zogen vom Bahnhof aus zu der Gaststätte „Gütershop“, wo die NPD feierte. Dort fand eine Kundgebung statt, ehe die Demonstration sich wieder zum Bahnhof bewegte und endete. Soweit bekannt verliefen der antifaschistische Protest und das NPD-Treffen ohne Zwischenfälle.

Die Lokalpresse zitierte den Integrationsausschuss-Vorsitzenden Peter Koschorreck, der vor den Nazigegnern sagte: „Wir wollen ein Zusammenleben, das von Respekt und Toleranz getragen ist. Diese Rechtsradikalen wollen genau das Gegenteil: Sie fördern Diskriminierung, Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit.“ Susanne Rössler, Presbyteriumsvorsitzende der Evangelischen Gemeinde Düren, sagte vor dem „Gütershop“ zu den Demonstranten. „Nur wenn es uns gelingt, in den Schulen aufzuklären und vor Ort eine soziale Politik zu betreiben, werden die Rechtspopulisten in Düren keine Chance haben.“ Rössler gehört zu den Initiatoren des Dürener „Bündnisses gegen Rechts“, das sich am 30. Januar gründen wird und dem Vereine, Initiativen, Kirchen, Einzelpersonen und Parteien angehören werden.

Die Gründungsfeier des NPD-Kreisverbandes Düren besuchten nach Auskunft der Partei neben Mitgliedern des Kreisverbandes ein Vertreter des Landesvorstandes und Delegationen verschiedener NRW-Kreisverbände der NPD, Delegationen der „freien Kräfte“. Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ war ebenso eine Delegation der „Anti-Antifa Aachen“ anwesend. Aufgetreten sind die rechtsextremen Liedermacher „Frei & Stolz“ aus Wilhelmshaven. Noch Ende November hatten Schweizer Behörden dem Duo im Vorfeld eines Auftritts Einreiseverbot erteilt. Da die Musiker doch einreisten, wurden sie wieder abgeschoben. Die Mitte August 2005 bekannt gewordenen Vorwürfe gegen einen der Musiker, er sei ein Spitzel des Verfassungsschutzes [1], scheinen indes vergessen. Einer NPD-Pressemitteilung zufolge sollen das Treffen und „Frei & Stolz“-Konzert rund 120 Parteifreunde besucht haben. Beobachter halten dies für überzogen.

Der Polizeibericht betonte, dass von den 220 Versammlungsteilnehmern der Nazigegner „etwa 160 Teilnehmer aus dem bürgerlichen Bereich“ gewesen seien. Laut Polizei sei der antifaschistische Protest „störungsfrei“ verlaufen. „Lediglich gegen zwei Demonstranten, die kurzzeitig gegen das im Rahmen des Versammlungsrechts geltende Vermummungsverbot verstoßen hatten, mussten Strafverfahren eingeleitet werden,“ hieß es weiter im Polizeibericht. Die Antifa Düren schätzt in Übereinstimmung mit der Lokalpresse, dass rund 300 Menschen an der Demonstration teilgenommen haben. Dies sei „deutlich mehr als im Oktober“, als 180 bis 200 Leute demonstriert hatten. Da man im Oktober rund zwei Wochen über zum Protest aufgerufen habe, nun aber nur zwei Tage zur „Mobilisierung“ habe nutzen können, werte man „die Demo als vollen Erfolg, ebenso dass ein politisches breites Spektrum an der Demonstration beteiligt war,“ hieß es.

Laut NPD-Pressemitteilung lobte der stellvertretende NPD-Kreisvorsitzende und Anführer der Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“, Rene L., die „tadellose Zusammenarbeit“ mit der Dürener Polizei. Diese sei bei den NPD-Aktionen in der Vergangenheit „zu unserem Schutze wegen gewalttätiger Angriffe“ von Antifaschisten und „linken Chaoten“ im Einsatz gewesen. Die NPD bedauere, dass solche Einsätze „zu Lasten der Steuerzahler gehen und nicht denen auferlegt werden, die nicht nur Gewalt propagieren, sondern die wegen fehlender Argumente auch Gewalt praktizieren.“ L. ist einschlägig vorbestraft, viele seiner „Kameraden“ sind oft genug mit der Justiz in Konflikt geraten.

In einem Pressegespräch hatte der Dürener NPD-Chef Ingo Haller einen massiven Zulauf an neuen NPD-Mitgliedern und –„Anwärtern“ auf den „familiären Aufenthalt“ bei der NPD in Düren zurückgeführt. Interessenten und Mitglieder erlebten etwas ähnliches wie eine „Aufnahme in eine Großfamilie“. Dass jene „Großfamilie“ eng mit der offen neonazistischen, als militant eingestuften „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) zusammen arbeitet, sah Haller nicht als problematisch an. Die als „verrufen“ geltende KAL habe im vergangenen Jahr „bewiesen, dass sie effektiv und friedlich arbeiten“ könne.

Pressesprecher Peter Bangert betonte in dem Gespräch am Freitagnachmittag sogar, dass, wer Mitglied im NPD-Kreisverband Düren werden will, sich schriftlich „ausdrücklich zu den demokratischen und sozialen Grundsätzen des deutschen Grundgesetzes“ bekennen müsse. „Unsere Aufgabe ist es,“ umschrieb Bangert mit Blick auf die Gründung von Arbeitsgruppen zu den Themen Frauen, Jugend, Soziales und „Ordnerdienst“, „junge Leute dahin zu führen“, dass sie wieder Achtung vor dem Familienleben und den „Werten“ hätten. Die NPD wolle gerade jungen Menschen „Perspektiven aufzeigen, sie ernst nehmen“.Bangert umschrieb L. als einen heute „sehr vernünftigen, intelligenten, umgänglichen Menschen – wir werden auch dafür sorgen, dass er so bleibt.“

Zu dem Pressegespräch vor der NPD-Feier war neben dem Autor dieser Zeilen kein weiterer Pressevertreter erschienen. Zuvor ebenso eingeladene Kollegen hatten sich in Beiträgen in der Lokalpresse über den undemokratischen Stil der NPD-Einladung beschwert und ein Erscheinen abgelehnt. Die NPD-Bedingungen waren, nur Fragen zu den Themen „Gründung des NPD-Kreisverbandes Düren (Vorstellung des Kreisvorstandes)“, „Konzept 2007 bis 2009“ und über die „Gründungsfeier“ zu beantworten. Sollten Fragen mit „Kein Kommentar“ beantwortet werden, sei dies „so zur Kenntnis zu nehmen“. Anders als bei üblichen Pressekonferenzen wollte die NPD „Fotografieren, Videoaufnahmen, Tonaufzeichnungen u.s.w. im Inneren der Gaststätte [...] nur nach vorheriger Absprache“ erlauben und es wurde betont, dass Journalisten nach Ende des Pressegespräches „der Aufenthalt in der Gaststätte untersagt“ sei.

Eine Art Feature über Freitagabend und die Geschichte des NPD-KV-DN siehe HIER. [© Klarmann]

[1] Einreiseverbot bei Eidgenossen
8.1.07 12:02
 



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