Düren. Innerhalb weniger Wochen haben in Düren zwei große Treffen von Neonazis stattgefunden. Am Wochenende veranstalteten die NPD und die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) einen „Balladenabend“ mit Musikern der rechten Szene aus Wilhelmshaven und Sachsen. Örtliche Antifaschisten finden „die zunehmenden Aktivitäten von Neonazis in Düren beunruhigend“ [1].
Mitte August hatte der Vorsitzende der NPD-Ortsgruppe Düren, Ingo Haller, unserer Zeitung bestätigt, dass man einen „Balladenabend“ plane. Haller hatte dabei noch betont, dass dieser nicht im Raum Düren stattfinden werde [2]. Doch laut Antifa Düren habe die NPD sowohl ein „Sommerfest“ am 29. Juli, als auch die Veranstaltung am Sonnabend (2.9.) im Innenhof einer Gaststätte in der Arnoldsweilerstraße abgehalten. Haller wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Die Polizei bestätigte nur, dass der „Balladenabend“ tatsächlich im Raum Düren stattfand.
Eine Rede, die der einschlägig vorbestrafte „Kameradschaftsführer“ der KAL, René L. aus Langerwehe, auf jenem „Balladenabend“ gehalten hat, gibt die NPD in einer Pressemitteilung [3] so wieder: „Einen besonderen Gruß schickte er an die Polizei für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld.“ Antifa Düren und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) kritisieren in einer Stellungnahme daher „die Rolle der Polizei“ als „skandalös“. Sie versage „völlig“ im Kampf gegen Rechtsextremismus und „protegiert faktisch die Neonazi-Aktivitäten“, so die harsche Kritik. Die Polizei Aachen, deren Staatsschutzabteilung auch für Düren zuständig ist, dementierte auf Anfrage Vorfeldgespräche zwischen der Behörde und den Rechtsextremen.
Aufgetreten sind am 2. September der rechte Liedermacher „Jan“ aus Sachsen sowie ein Musiker der üblicherweise als Duo auftretenden Gruppe „Frei & Stolz“ aus Wilhelmshaven. Letztgenannte sind kürzlich auch in dem norddeutschen Neonazi-Treffpunkt „Club 88“ aufgetreten. Die Ziffer 88 nutzt die braune Szene als Code für die Doppelung des achten Buchstabens im Alphabet, meint „Heil Hitler“. In der Region hatten „Frei & Stolz“ kürzlich auch auf besagtem NPD-„Sommerfest“ in Düren [4] und einer NPD-Feier in Stolberg gespielt [5].
Haller hat am Samstag in einer Rede gegenüber den „zahlreichen Gästen“ versprochen, dies sei nicht die letzte NPD-Feier in Düren gewesen. Die Antifaschisten appellieren daher „an die demokratische Öffentlichkeit, nicht länger tatenlos dem erstarkenden Neonazismus im Kreis Düren zuzusehen.“ Nach Recherchen unserer Zeitung haben seit Oktober 2005 mindestens sechs konspirativ organisierte Veranstaltungen von KAL oder NPD mit 50 bis 130 Besuchern im Raum Düren stattgefunden. Zwei KAL-Konzerte mit rechten Bands fanden im Frühjahr 2005 im Kreis Bergheim statt. [© Michael Klarmann; für DN/DZ(Kreisseite)]
[1]
Antifa und VVN-BdA zu Neonazikonzert in Düren[2]
Keine Lieder über Vaterlandliebe im Raum Düren...[3]
Lieder über Vaterlandliebe bei KAL und NPD in Düren [update3] (mit Einladungflyer als Bild im Text)
[4]
NPD-Sommerfest in Düren mit rechten Liedermachern[5]
Antifa schlägt Rechtsextremisten 8 zu 1 (Besucher) und 5 zu 1 (Bands)