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Rechts: Nazis attackierten Punks nach Fight Fascism – zudem Nazigebrüll und -schmier [update7]

Stolberg/Aachen. Es verdichtet sich anhand zahlreicher Hinweise, dass Neonazis in der Nacht von Freitag auf Samstag Besucher eines antifaschistischen Punkkonzertes in Stolberg attackiert haben. Wie „Klarmanns Welt“ von Veranstaltern und Opfern erfuhr, haben zwischen zehn bis zwanzig Unbekannte – mehrere davon bewaffnet mit Baseballschlägern oder Knüppeln – kurz nach Mitternacht die noch vor dem Veranstaltungsort in Münsterbusch sitzenden Besucher angegriffen. Rund 300 Personen hatten das Konzert besucht, rund fünfzehn davon hatten noch nach dem Ende vor der Tür gesessen, während die Veranstalter im Inneren abbauten und aufräumten. Diese Personen, größtenteils Punks, seien von mit Kapuzen und Sturmhauben vermummten Unbekannten im „Fascho-Outfit“ angegriffen worden, sagten Antifaschisten. Auch Opfer äußerten gegenüber „Klarmanns Welt“ den Verdacht, dass die Täter wegen ihres Äußeren Rechtsextremisten gewesen seien. Unter anderem seien sie bei dem Angriff als „Zecken“ beschimpft worden, ein von Neonazis genutztes Schimpfwort zur Entmenschlichung von vorwiegend Linken und Punks. Nach bisherigem Stand wurden mehrere Personen verletzt, davon zwei erheblich.

Wie schon in den letzten Jahren hatte der unweit des Veranstaltungsortes (Jugendheim Münsterbusch) lebende Ratsherr und Aachener Kreisvorsitzende der NPD, Willibert Kunkel, eine Gegenveranstaltung zu dem Antifakonzert abgehalten. Diese dürften rund 50 Neonazis besucht haben, ein größeres Polizeiaufgebot war im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern. Unter anderem trat auf Kunkels Feier ein rechtsextremer Liedermacher auf, der davon sang, wie stolz man sei, Deutsch zu sein und dass Deutschland und die Deutschen „über alles“ stünden. Die Stimmung unter den Neonazis war teils aggressiv, was sich mit wachsendem Alkholkonsum steigerte. So riefen sie etwa Parolen wie „Ohne Nazis, wär’ hier gar nichts los“ und „Hey, ihr Zecken, eure Eltern sind Geschwister.“ [1] Zwar sollte die Feier am späten Abend zu Ende sein, jedoch hatten sich vor Kunkels Haus weiter Neonazis versammelt. Völlig unklar ist, ob der Angriff von den Besuchern der Kunkel-Feier ausging.

„Klarmanns Welt“ erfuhr unterdessen, dass der Angriff sich gegen 0.30 Uhr zugetragen haben soll. Nachdem die Polizei die Lage als ruhig eingestuft hatte, wurden die Beamten der Einsatzhundertschaft abgezogen. Die Veranstalter des Antinazi-Konzertes haben unterdessen in einer Stellungnahme „von der Polizei und den politisch Verantwortlichen [gefordert,] die Umstände der groben Fehleinschätzung der neofaschistischen Gefahr zu ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“ Denn danach waren nur noch drei oder vier normale Streifenbeamten vor Ort im Einsatz, indes sollen sie von dem plötzlichen und brutalen Angriff so überrascht gewesen sein, dass sie nicht eingreifen konnten oder selbst aus Angst nicht eingegriffen hätten. Nachdem Punks flohen, setzten die Angreifer diesen hinterher, teilweise sollen Personen noch an einer entfernten Bushaltestelle attackiert worden sein. Opfer sagten, sie seien „um ihr Leben gerannt.“

Wie „Klarmanns Welt“ erfuhr, wurden ein Mädchen leicht im Gesicht und ein anderes schwerer verletzt. Letztgenanntes Mädchen musste ins Krankenhaus. Sie hat einen Teil eines Zahnes verloren und klagte nach einem Tritt in den Bauch über Schmerzen, der Fußabtritt war gut zu sehen. In diesen Fällen, die eine 15-jährige Aachenerin und eine 18-jährige Stolbergerin betreffen, laufen polizeiliche Ermittlungen. Der Schläger wurde von den Opfern als zirka 20 bis 25 Jahre alt beschrieben. Er habe eine muskulöse Statur gehabt und sei etwa 180 cm groß gewesen. Eine sofort eingeleitete polizeiliche Nahbereichsfahndung verlief nach Polizeiangaben ohne Ergebnis. Täterhinweise werden erbeten unter der Telefonnummer 0241 / 9577-0, oder, außerhalb der Geschäftszeit, unter 0241 / 9577 34250.

Zudem erfuhr „Klarmanns Welt“ davon, dass ein Punk von den Angreifern mit einem Knüppel auf den Kopf geschlagen worden sein soll, so dass er eine etwa zehn Zentimeter lange Platzwunde davon trug, die offenbar im Krankenhaus genäht wurde. In einem weiteren Fall erlitt ein von bis zu drei Personen verfolgtes Mädchen durch einen Sturz starke Hautabschürfungen und Hämatome an Beinen und Hüfte. Das Mädchen hatte sich, erfuhr „Klarmanns Welt“, gemeinsam mit einem jungen Mann in eine nahe gelegene Gaststätte geflüchtet. Dort, so hieß es weiter, habe man die beiden jedoch des Raumes verwiesen und die Wirtin habe sich geweigert, die Polizei zu rufen. Obschon vor der Tür noch Angreifer waren, habe man das Mädchen und den Jungen mit der Begründung, man schließe nun, auf die Straße geschubst. In diesem Fall wird erwägt, Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung zu erstatten.

Der aktuelle Überfall erinnert an einen Vorfall aus dem Jahre 2005. Entgegen ersten Mitteilungen der Polizei [2] von damals – diese rührten offenbar daher, dass Zeugenaussagen und das polizeiliche Einsatzprotokoll voneinander abwichen – war es 2005 im Umfeld des jährlich stattfindenden Konzertes zu zwei Überfällen auf Jugendliche durch Unbekannte gekommen. Dies hatten Nachrecherchen durch „Klarmanns Welt“ im November 2005 ergeben. Seinerzeit waren alternative Jugendliche und Punks, die das Konzert kurz vor dem Ende verlassen hatten, rund 200 Meter vom Konzertort entfernt von vermummten Tätern angegriffen und verprügelt worden. Die Täter wurden seinerzeit als fünf bis sieben Personen in Tarnhosen, Bomberjacken, Sturmhauben und Stiefel beschrieben. Der Vorfall konnte nie aufgeklärt werden.

Laut Polizeibericht fiel in Stolberg-Atsch zudem am Samstag gegen 3 Uhr eine Gruppe Jugendlicher auf, die laut grölend und „Heil Hitler!“ rufend umherzog. Polizeibeamte stellten die insgesamt 14 männlichen Personen. Die nicht in Stolberg wohnhaften Randalierer seien zwischen 15 und 28 Jahre alt gewesen, gegen sie werde nun ermittelt. Zudem kam es in derselben Nacht zu Hakenkreuzschmierereien im Aachener Ortsteil Walheim. Laut Polizei und örtlichen Antifaschisten besprühten bislang unbekannte Straftäter dort Gebäude mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, unter anderem Hakenkreuze und rechte Parolen. In der Nähe einer Tafel im Rahmen des Mahnmalprojektes „Wege gegen das Vergessen“ haben Unbekannte „Nationaler Widerstand Aachen“ gesprüht. Zu lesen war ebenso „Nein zu Multikulti“ und – möglicherweise im Umfeld von Migranten – „Gute Heimreise“. Auf der Kirche ist über eine bekannte ehemalige Nazi- und Neonazigröße zu lesen: „Hans Ulrich Rudel – nie vergessen“ [3]. Bislang wurden laut Polizei mindestens zwölf Tatorte, darunter auch die Schule, aufgenommen und entsprechende Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Polizei bittet auch in diesen Fällen Zeugen darum, sich unter oben angegebenen Rufnummern zu melden.

[update7] Laut Polizeibericht vom Sonntag läuft seit dem Tattag in diesen drei Fällen „eine konzentrierte und konzertierte Ermittlungsarbeit der Aachener Polizei“. Demnach konnten aus der Personengruppe, die laut grölend durch Stolberg-Atsch gelaufen war, elf Personen identifiziert werden, die sich aufgrund jetzt vorliegender Ermittlungsergebnisse einer Volksverhetzung strafbar gemacht haben. Jedoch scheide, so die Polizei, nach jetzigem Kenntnisstand diese Gruppe als Täter für die Körperverletzungen nach dem Konzert in Stolberg „mit Bestimmtheit“ aus. Die Hakenkreuzschmierereien in Walheim sollen laut Ordnungshüter nach Zeugenhinweisen von zwei Personen begangen worden sein. Hier bittet die Polizei „dringend“ darum, dass sich weitere Zeugen melden. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gebe es zwischen allen drei Straftaten „keine unmittelbare Verbindung“.

Antifaschisten und Antifaschistinnen aus Aachen haben unterdessen in einer Stellungnahme schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. In dem Text [4] heißt es, die Polizei „beendete ihren ‚Sondereinsatz’ um zirka 24 Uhr. Es seien schließlich nur noch etwa 10 Nazis bei Kunkel. Ob diesen auch Bescheid gegeben wurde, dass sich nur noch sehr wenige Menschen beim Konzertort aufhielten ist nicht bekannt. Nachdem die Polizei auf Anfrage versicherte, dass der Heimweg der noch anwesenden AntifaschistInnen sicher sei, zogen sie sich zurück. Mit zwei Streifenwagen blieb die Aachener Polizei aber vor Ort. Eine viertel Stunde später überfielen vermummte Nazis einige KonzertbesucherInnen und verletzten diese teils schwer. [...] Sollte mensch nach gängiger Polizeipraxis doch annehmen, dass danach der Ort [gemeint ist: bei Kunkel] von dem die Angreifer augenscheinlich kamen nach Waffen durchsucht wird. Dergleichen geschah nicht. [...] Organisieren wir den antifaschistischen Selbstschutz.“ [© Klarmann; Teile der Recherche flossen in die gemeinsame Berichterstattung des ZVA, des BnR und der RP zwischen Sonnabend und Dienstagmorgen ein]

[1] Nebenbei bemerkt: auch die unterdessen zu Nazihits avancierenden Sprüche gegen den Autor dieser Zeilen – „Klarmann ist ein Hurensohn“ bzw. „Klarmann, du Hurensohn“ – waren von Teilen eines Trios rund um den „Ordnerdienstleiter“ der NPD Düren sowie dem stellvertretenden NPD-Kreisvorsitzenden und Anführer der Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“ zu hören.
[2] Fight Fascism vs. Kunkel-Gaudi: 350 zu 50, einmal Hausrecht durchsetzen bei NPD und offenbar kein rechter Überfall...; Polizei kein Gewaltverbrechen im Umfeld von Fight Fascism bekannt
[3] zu Rudel siehe Wikipedia
[4] Zitate leicht redigiert
3.9.07 10:02
 



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