Rechts: Abenteuerliches rund um rechtes Konzert in Holland [update3]
Region. Stadtverwaltungen und die Polizeibehörden in Stadt und Kreis Aachen dürften am vergangenen Freitag tief durchgeatmet haben, als sich gegen 19.30 Uhr herausstellte, dass das angekündigte Konzert der rechten Hooligan-Band „Kategorie C“ alias „Hungrige Wölfe“ nicht in Stadt oder Kreis Aachen, sondern im niederländischen Nuth stattfand. In Aachen selbst demonstrierten am frühen Freitagabend mehr als 130 Antifaschisten lautstark gegen Rechtsextremismus und gegen das Konzert [1]. Zeitgleich schleusten die Organisatoren des Konzerts ihre Besucher über den Bushof und die Shell-/Aral-Tankstellen am Tivoli teilweise mit einem Bus-Shuttle in die Niederlande. Die dortigen Behörden wurden völlig überrascht von dem Konzert, die deutschen hatten bis zuletzt gerätselt, wo es stattfinden wird [2].
So waren tagsüber – sehr abenteuerliche – Gerüchte durchgesickert, dass das Konzert auf dem Areal der ehemaligen Grube Adolf in Herzogenrath-Merkstein stattfinden solle. Umgehend hatte die Stadtverwaltung in Herzogenrath Mietverträge für das Areal überprüft, aber keine Anhaltspunkt dafür gefunden, dass am Freitagabend dort eine Veranstaltung stattfinden sollte. Zugleich hatte die Stadt Herzogenrath Vorsorge getroffen, dass auch kein illegales Konzert möglich ist und Kräfte des Ordnungsamtes in Bereitschaft gestellt.
Selbes Bild in Aachen, wo sich im Tagesverlauf wiederholt – nur einfach abenteuerliche – Gerüchte verdichtet hatten, dass besagtes Konzert im Ostviertel [3] stattfinden wird. Während zu Beginn und im Verlauf der antifaschistischen Demonstration wiederholt Redner wie Kurt Heiler (VVN-BdA) sowie Ratsherr Marc Treude (WASG) der Stadt eine Kooperation mit den Konzert-Organisatoren vorwarfen [4] und glaubten, dass die Polizei den Ort ebenso kenne und geheim halte, mühten sich Polizei und Stadtverwaltung in einem Krisenstab ab, den Ort herauszufinden. Man hätte, so der Pressesprecher der Stadt Aachen, Hans Poth, in Übereinstimmung mit der Polizei, das Konzert umgehend im Stadtgebiet verhindert oder aufgelöst.
Letztlich vergebliche Mühen. Observationen der Polizei und Beobachtungen von Antifaschisten an den Schleusungspunkten sorgten dafür, dass kurz nach 19 Uhr klar wurde, dass das Konzert in dem nahe Heerlen gelegenen Ort Nuth stattfindet. Ersten Informationen zufolge sollen zwischen 200 und 300 Personen, die größtenteils der rechtsradikalen Szene zuzuordnen sein dürften, die Veranstaltung im „Cafe Zaal Griezegrubbe“ besucht haben. In dem besagten Saal [5] der Kleinstadt fanden auch schon Dorffeste und Karnevalsfeiern statt.
Die niederländische Polizei war offenbar so überrascht, dass sie nur mit rund zehn Beamten im Ortskern in Bereitschaft stand. Beobachtern und Pressevertretern legten die Beamten nahe, nicht den abgelegenen Konzertort zwecks Recherche aufzusuchen, da große Teile des Publikums offenbar aggressiv und gewalttätig reagieren könnten und nicht genügend Einsatzkräfte vor Ort seien, um die Situation wieder zu beruhigen. Im Rahmen der Amtshilfe und weil die Besucher und Organisatoren maßgeblich Deutsche waren, waren einige Staatsschutz-Beamte aus Aachen im Einsatz.
Etwa zehn Neonazis rund um den Anführer der Neonazi-Gruppe „Nationaler Widerstand Herzogenrath“, [...] [6], hatten schon gegen 17.30 Uhr zu Beginn der Antifa-Demonstration auf dem Markt in Aachen versucht, diese zu provozieren. Die Schleusungspunkte waren unter anderem mit Vertretern lokaler „Kameradschaften“ besetzt. Letztgenanntes legt nahe, dass die Beteuerungen des „Kategorie-C“-Sängers Hannes O., die Musiker seien weder Nazis noch eine „Nazi-Band“ [7], ebenso abenteuerlich sind, wie die Gerüchte im Tagesverlauf über den Ort des Konzertes.
[1] Aufmarsch gegen rechtes Konzert (im Blatt selbst aktualisierte Fassung) [2] Die rechte Szene plant ein Konzert in Aachen [3] Freitag war der Tag der Abenteuerlichkeiten: Der „Musikbunker Aachen“ hat „Klarmanns Welt“ in – sehr unsäglichen – Vorwürfen beschuldigt, alleine schon durch bloße Hinweise in Artikeln auf einen bislang nicht bekannten Konzertort in Aachen maßgeblich die Schuld dafür zu tragen, dass Menschen glaubten, der „Musikbunker“ organisiere rechte Konzerte. „Klarmanns Welt“ weist also auch für die allerdümmsten Leser an dieser Stelle darauf hin: ein unbekannter Konzertort ist unbekannt. [4] Nach Hinweisen von städtischer Seite bat Marc Treude, MdR Die Linke. Aachen, am 29. August um folgende Richtigstellung: „Richtig ist, dass sowohl Kurt Heiler als auch ich das Gerücht aufgriffen, die Stadtverwaltung habe Kenntnis vom Ort des rechten Konzertes, halte diese Informationen aber vor den Antifaschisten zurück. Ich selbst habe kritisiert, dass wenn dieses Gerücht stimmen sollte, ich dies als einen Skandal ansähe. Offensichtlich hatte die Stadtverwaltung zu diesem Zeitpunkt aber ebenso wie die Polizei und auch die Antifaschistische Demonstration noch keine Kenntnis vom Ort der Veranstaltung. Begrüssenswert finde ich, dass der städtische Pressesprecher Hans Poth sinngemäß erklärte, man hätte jene Veranstaltung in Aachen in Zusammenarbeit mit der Polizei unmittelbar verhindert oder aufgelöst.“ (Anmerkung: „Klarmanns Welt“ veröffentlicht diese Richtigstellung, weist aber darauf hin, dass während der Demonstration größtenteils nicht von „Gerüchten“ sondern „Fakten“ die Rede war. mik) [5] zu sehen auf diesem Kurz-Video:
„Klarmanns Welt“ (KW) ist nicht Produzent des Videos. Das Video wird im Internet als Konzert von KC „in Aachen“ benannt. KW dokumentiert das Video im Rahmen der Gesamtberichterstattung. Das zuerst hier eingeblendete Video wurde zwischenzeitlich wieder aus dem Netz genommen. [6] Ehe nun jemand „Klarmanns Welt“ die Verletzung von Persönlichkeitsrechten ankreiden mag, zitieren wir von der öffentlich einsehbaren „Weltnetzseite“ des NWH: „[...] und so zeige ich, [...] (Foto) Gesicht gegen feige, linksfaschistiche Lügenverfahren von anti-deutschen Kommunisten. Ich wurde am 01.08.1987 in Würselen/Bardenberg geboren und Lebe in Herzogenrath. Ich bin Schüler, der Vorsitzende des NWH und brauche mich nicht vor Chaoten zu verstecken, die unser Land kaputt machen wollen.“ [7] siehe Leserzuschrift unter Flugblatt der Antifaschistischen Gruppe Aachen zu Kategorie C [8] Dokumentation: Geplantes Konzert der Band "Kategorie C/Hungrige Wölfe" in Aachen durch Stadt und Polizei im Schulterschluss verhindert: Aachen. Wie bereits in den Medien berichtet, beabsichtigte die Band „Kategorie C/Hungrige Wölfe“, am heutigen Tage in Aachen ein Konzert auszurichten. Wenn sich auch diese Band selbst auf ihrer Homepage als „keine Naziband“ darstellt, ist für die Polizei Aachen die Affinität zum rechten Spektrum belegbar. Stadt und Polizei Aachen waren sich darin einig, sämtliche rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, das Konzert nicht stattfinden zu lassen. Einsatzleiter der Polizei Helmut Lennartz: „Wir werden nicht zulassen, dass es in Aachen eine Plattform für rechtsextreme Aktivitäten gibt!“ Mit einem umfangreichen Polizeiaufgebot sowie einem städtischen Einsatzstab zeigten sich die Aachener Behörden für sämtliche Eventualitäten gerüstet. Diese Vorbereitungen blieben anscheinend den Konzertveranstaltern nicht verborgen. Entgegen ihrer ursprünglichen Planung wichen sie mit dem Konzert in die benachbarten Niederlande aus. Die Aachener Polizei steht mit der dortigen Polizei in enger Verbindung. [Textquelle: redigierte Pressemitteilung der Polizei Aachen von Freitagabend, 20.50 Uhr]
Lesermeinungen zu diesem Beitrag (geben nicht unbedingt die Meinung vom KW wieder; KW behält sich Sinn wahrende Kürzungen vor)] –– Autonome Nationalisten Aachen: „Lassen Sie die 1 vor der 130 weg, dann haben Sie die wirklichen Teilnehmer der Antifa-Demo. Wir hatten 3 Leute von uns unter eurer Antifa-Demo.Also waren es 27.Das Konzert war übrigens wunderschön, wir hätten uns dort Antifas gewünscht.Fuck Off Antifa ! Nationaler Sozialismus – Jetzt !“ (Antwort: Und ich hatte noch die Hoffnung gehabt, es sei nur ein unpolitisches Konzert gewesen, wie KC es doch immer so schön verbreiten. Und ob keine Antifa da war, das halte ich für eine schlechte Beobachtungsgabe...mik) (Ergänzung am 25. August, 9.30 Uhr, gepostet) –– Anonymisiert: „Bezüglich des Kategorie C Konzerts ist es meiner Meinung nach auch untragbar, dass ein gewisser ‚S. W.’ (wer das nur sein mag?!) selbst im Gästebuch der IG der Alemanniafans werben konnte ohne, dass dies von Seiten der IG auch nur kommentiert wurde! Die IG ist sowieso, ebenso wie der Verein, schon seit Jahren völlig untätig gegenüber dem auch schon zu Drittligazeiten latenten Problem der rechten ‚Unterwanderung’ von Teilen der Fanszene. Man sollte die derzeitige Presse zu dem Konzert nutzen um endlich auch am Tivoli z.B. ein Verbot des Tragens der Marke ‚Thor Steinar’ durchzusetzen. Man muss sich doch schon fragen, was für eine Auffassung von politischer Hetrogenität es ist, wenn derartige Mengen der Ultras mit Kleidern dieser Marke rumlaufen, mir aber noch nie ein Mitglied dieser Gruppe mit dezidiert ‚linker Kleidung’ begegnet ist. Von anderen rechtsradikalen T-Shirts etwa mit der Aufschrift ‚Masterrace-Europe’ ganz zu schweigen, wie ich es beim Spiel in Köln wieder sehen musste. Leider muss man sich als Alemanniafan immer öfter für derartige ‚Fans’ des eigenen Vereins schämen. Und auch wenn man sich stets zu Wort meldet, wenn rechte oder rassistische Äußerungen fallen und man bemüht ist zumindest seinen Block ‚sauber zu halten’, kommt es doch einem Kampf gegen Windmühlen gleich, aufgrund der bereits oben erwähnten Untätigkeit von Verein und IG.“ (Anmerkung: Der Absender ist bekannt. Die Kritik an IG und Verein teilt „Klarmanns Welt“ nicht, da man sich dort um Lösungen bemüht. mik) (Ergänzung am 25. August, 17.00 Uhr, gepostet)
–– Anonymisiert: „[...] hat gestern mitbekommen wie circa 20/25 nazis, die wohl auf dem kategorie c konzert waren (heerlen), zwischen 0.30 und 1 uhr ins [...] in der promenade rein sind. [...] hat sich die ganze sache wohl auch angeschaut und gegenüber [...] wurde das ganze nochmal bestätigt. seit einiger zeit machen die da schon so veranstaltungen, wo auch vermehrt glatzen sind, bei denen man ein ungutes gefühl hat, was ihre gesinnung betrifft.“ (Anmerkung: Der Absender ist bekannt. mik) (Ergänzung am 25. August, 17.15 Uhr, gepostet) –– „Humorist“: „Vermutlich kam die Nationale Zählkolonne nur auf 30 Teilnehmer, weil sie nicht mehr Finger hatten um noch höhere Zahlen zu verarbeiten.“ (Antwort: Na, wasnglückdann, dasses keine altgedienten Sägewerker warn... mik) (Ergänzung am 25. August, 19.45 Uhr, gepostet) –– „dummer leser“: „'...ein unbekannter Konzertort ist unbekannt' ähh , ja!?... echt?“ (Antwort: Ich hatte es auch zuerst nicht für möglich gehalten... mik) (Ergänzung am 26. August, 19.45 Uhr, gepostet)
–– Echter Autonome Nationalist Aachen: „Tach Herr Klarmann, auch wenn M.C. sich auf seiner Heimatseite ‚outet’, so ist er trotzdem keine öffentliche Person, und da sie wohl kaum das Einverständnis von M.C. haben, er außerdem nicht der Veranstalter des Konzerts war, handeln Sie rechtswidrig! Keine Grüße! ANA Das ‚Echt’, da in letzter Zeit wohl irgendeine Dumpfbacke mit meinem Namen hier schreibt!“ (Antwort: Hallo, ich hatte eigentlich gehofft, die rechten Automaten würden mir das ersparen, was mir die linken Automaten nie ersparten. Aber ich fand es immer auch schon bei den Linken unterhaltsam, wenn man – wo man doch Staat und Recht und Gesetz abschaffen will – Menschen in Rechtskunde belehrt, so man sich denn nur selbst ein bisschen in seinen bürgerlichen Rechten verletzt fühlt oder zumindest genug Einbildungskraft besitzt, sich verletzt zu fühlen. Überdies finde ich es sonderbar seltsam bei dem, was die ANA bzw. AG-Rhld. alles auf der „Netzseite“ verlautbaren lässt und „Kameraden“ allerorten so treiben, mich an mein Rechtsempfinden zu erinnern. Zumal sich M.C. auch in einigen öffentlich einsehbaren Internet-Gästebüchern und -Kommentarspalten namentlich als NWH-Chef geradezu in Szene setzte und sich sogar in Moers als Redner einer öffentlichen Demonstration andiente. Viele Grüße, Ihr mik. PS: Grüßen Sie mir auch die „Dumpfbacke“. Und sagen Sie ihr bitte, cool sein muss nicht immer Cool sein. Danke!) (Ergänzung am 27. August, 19.45 Uhr, gepostet)
–– ANA: „Wer sich allerdings auf diese Rechte so beruft und dafür kämpft, sollte sie aber nicht brechen, indem er damit argumentiert, dass wir sie ja angeblich abschaffen würden. Genau wie ich der Meinung bin, dass der Verfassungsschutz die Verfassung – die es ja nicht gibt – bzw. die Demokratie nicht mit undemokratischen Mitteln (Spitzel, Bestechungen) schützen kann, da er ja sich so eigentlich selbst verbieten müsste!“ (Antwort: Ich hatte das Wort „Einbildungskraft“ nicht genügend betont. Entschuldigung. mik) –– „lll“: „hi klarmann, ich finde es ziemlich daneben, irgendwelchen nazis zu erzählen, was dich schon immer an ‚automaten’ (scheiß wort, bis vor ein paar jahren war das noch fascho-jargon) gestört hat. Ganz davon zu schweigen, dass du hier gerade Menschen, die in einer anderen Welt leben möchten, Bürger- und Menschenrechte absprichst.“ (Antwort: Meines Wissens nach stammt der Begriff „Automaten“ aus der Punk-Szene, die sich damit gegen Regelwerke von Menschen richtete, die unter dem Label der Autonomen erheblichen Starrsinn verbreiteten, der dem von den „Automaten“ angepeilten Freiheitsdrang in keiner Weise entsprach. Nur ein Stichwort: Sexismusdiskussion. mik) (Ergänzung am 28. August, 9.30 Uhr, gepostet)