Aachen. Und schon wieder hat die Alemannia Aachen einen Rechtsextremismus Skandal. Nachdem erst im Januar bekannt wurde, dass einer der führenden Köpfe der Anti-Antifa bei den „Aachen Ultras“ untergekommen war, die ihn mit halbherzigen Erklärungen nach öffentlichem Druck dann auch wieder ausschlossen, nachdem der Fußballclub dann im Februar diesen Jahres aufgrund rassistischer Fangesänge eine Strafe von 50.000 Euro zahlen musste und immer wieder organisierte Neonazis den Tivoli zum Rekrutierungsfeld für Jugendliche nutzen, ist nun bekannt geworden, dass bei einem Alemannia Spiel Karten für ein Rechtsrockkonzert in Aachen verkauft wurden.
Am 24. August 2007 soll nun die Band Kategorie C – Hungrige Wölfe in Aachen auftreten. Diese Band ist ein Bindeglied zwischen Fußballfans und der extrem rechten Szene. Zwar werden die Mitglieder der Band nicht müde, zu betonen, dass sie eine unpolitische Band sind, die Realität sieht jedoch etwas anders aus:
Zwei Mitglieder der Band spielen zugleich in anderen extrem rechten Bands, von denen eine dem ‚Blood and Honour’ Spektrum zuzuordnen ist. Diese Band, namentlich „Nahkampf“ widmete ihre erste CD den damals inhaftierten Neonazis Christian Worch, Gottfried Küssel und Gerhard Lauck. Die letzte CD von Kategorie C, die auch unter dem Namen „Hungrige Wölfe“ auftreten, ist bei dem neonazistischen Chemnitzer Label PC-Records erschienen. Auch beteiligte sich Kategorie C an dem Sampler „Die Deutschen kommen II“, neben Neonazigrößen wie Landser, Stahlgewitter und Nahkampf.
Unter dem Namen KC veröffentlichte die Band zur Fußball-WM das Lied „Deutschland dein Trikot“ auf dem Sampler „Zu Gast bei UNS“, an dem sich noch viele andere Neonazi Bands beteiligten. Spätestens nach diesem Lied sollte auch dem letzten klar sein, um was für eine Band es sich bei KC handelt. So wird in dem Lied kritisiert, dass dunkelhäutige Spieler in der Nationalmannschaft spielen („Deutschland dein Trikot, das ist schwarz und weiß, doch leider auch die Farbe deiner Spieler“). Offen neonazistisch wird es dann bei der Passage: „Deutschland ist nicht die BRD, Deutschland ist der Schlachtruf“.
Der Frontmann von Kategorie C – Hungrige Wölfe Hannes O. beteiligte sich zudem 1991 an einem Brandanschlag auf ein Bremer Flüchtlingsheim. Es ist folgerichtig, dass das Konzert in Aachen von Sascha Wagner beworben wird. Wagner ist stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Rheinland-Pfalz, kommt ursprünglich aus dem Raum Aachen und hat bereits in den 90ern den Tivoli genutzt, um unter Jugendlichen für die extrem rechte Szene zu werben. Sascha Wagner wirbt in mindestens zwei Gästebüchern von Alemannia Fangruppen unwidersprochen für das Rechtsrockkonzert. Die Karten für das konspirativ organisierte Konzert, so Wagner, gab es während des Spiels gegen Jena am letzten Freitag.
Wir fordern die Vereinsführung von Alemannia Aachen auf, endlich geeignete Schritte gegen Neonazis auf dem Tivoli zu unternehmen. Wir begrüßen die Antirassismus Kampagne der Alemannia und bedauern zugleich, dass das Engagement nach der Fußball WM anscheinend abgeflaut ist. Wir fordern die Alemannia auf, sich ein Beispiel an z.B. Schalke 04 zu nehmen, die eine Doppelmitgliedschaft in einer rechtsextremen Organisation und dem Verein ausschließen. Wir fordern die Alemanniaführung auf, antifaschistische und antirassistische Fanorganisationen in ihrer Arbeit gegen extrem rechte Fans zu unterstützen.
Wir fordern die Stadt Aachen auf, endlich zu registrieren, dass es in Aachen und Umgebung eine bedrohlich wachsende Neonaziszene gibt. In Aachen gibt es Rechtsextremismus. Das zu ignorieren hat noch nie geholfen. Ein erster wichtiger Schritt gegen diese Entwicklungen ist es, Räume für antifaschistische Arbeit bereit zu stellen.
Vor allem fordern wir die Fans der Alemannia auf, neonazistische Umtriebe auf dem Tivoli nicht länger zuzulassen. Lasst nicht zu, dass Neonazis den Tivoli für ihre menschenverachtende Politik nutzten! Die Rekrutierung von Jugendlichen durch Neonazis ist Politik! Rechtsrockkonzerte sind Politik! Und mit Nazis saufen und feiern oder sie einfach nur zu ignorieren ist eben auch Politik. Werdet aktiv gegen Neonazis auf dem Tivoli, in Aachen und anderswo. [Textquelle: Via Pressemitteilung verbreiteter, hier leicht redigierter Flugblatttext der „Antifaschistischen Gruppe Aachen“ zu den
AN-Recherchen von Donnerstag]
Lesermeinungen zu diesem Beitrag (geben nicht unbedingt die Meinung vom KW wieder; KW behält sich Sinn wahrende Kürzungen vor)]
–– Hannes, Sänger von „Hungrige Wölfe“: „Guten Tag! Ein paar klärende Worte zu Deinem KC Artikel. Ich habe niemals das Lied Deutschland Dein Trikot gesungen. Wir distanzieren uns von rechts und von links, ob es Dir nun passt oder nicht. Kein Mitglied spielt bei einer Faschoband sonder bis 2001 habe ich bei Nahkampf gespielt. Danach nur noch bei KC bzw. Hungrige Wölfe. Keineswegs organisiert dieses Konzert ein Sascha Wagner sondern eine neutrale Fanperson aus Aachen. Auf unseren Konzerten kommt es zu keinen so genannten Schnittstellen. Unsere Fans sind alt genug um sich nicht volltexten zu lassen von Nazis oder von Linksaktivisten. Auf keinem unserer Konzerte ist es bisher zu Gewaltausbrüchen oder Ähnlichem gekommen. Tshirts mit rechten Parolen oder Gesten oder Abzeichen sind bei uns verboten. So, das kannst DU selber Morgen auf dem Konzert überprüfen. Du bist herzlich eingeladen, kein Scherz. Und hör auf zu hetzen, es bringt nichts uns in die rechte Ecke zu stellen, denn wir stehen im Gegensatz zu den Onkelz zu unserer rechten Vergangenheit.“ (Antwort: Offenbar bezieht sich die Zuschrift auf diese Dokumentation. Mein eigener Bericht ist unter dem oben angegebenen Link zu finden. Ob ich das Konzert besuche? Denke, da sind mir zu viele von „meinen Fans“ aus einer ganz bestimmten politischen Ecke, und die dürften nicht unter Kontrolle zu halten sein, wenn sie mich sehen. Für deren Bändigung wäre schon die Onkelz-Sekurity nötig...und ich meine mit „meinen Fans“ ganz klar die Neonazis, von denen ich mir sicher bin, dass sie morgen auf dem Konzert sind. mik)
(Ergänzung am 24. August, 17.15 Uhr, gepostet)