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Rechts: Hartes Urteil gegen rechtsextremen Geiselnehmer

Aachen. Wegen Geiselnahme und Körperverletzung hat das Landgericht Aachen einen Neonazi aus Langerwehe (Kreis Düren) zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Einen Mann aus Eschweiler (Kreis Aachen) verurteilte die Kammer wegen Beihilfe zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Trotz widersprüchlicher Zeugenaussagen sah das Gericht es als erwiesen an, dass beide und ein weiterer „Kamerad“ zwei junge Frauen als Geiseln genommen und einer den Bruder eines der Mädchen brutal zusammengeschlagen hatten.

Das Trio gehörte zum Tatzeitpunkt im September 2005 der Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) an. Der bis zu Prozessbeginn unbekannte dritte Mann war im Verfahrensverlauf überraschend von der Verteidigung benannt worden und sagte als Zeuge aus. Laut Staatsanwaltschaft wird sich der Dürener, der sich ebenso wie die nun Verurteilten von der Neonazi-Gruppe losgesagt haben will, in einem eigenen Verfahren verantworten müssen. Gegen einen weiteren ehemaligen KAL-Mann aus Stolberg, der sich offenbar als einziger nicht nur von der Gruppe, sondern auch von seinen rechten Ansichten gelöst hat, wird gesondert ermittelt wegen Beihilfe.

Das Verfahren hatte sich wegen des zeitweise nicht auffindbaren Opfers der Schlägerei und widersprüchlicher Zeugenaussagen verzögert. Während die Verteidigung Belastungszeugen als nicht glaubhaft ansah, drohte die Staatsanwaltschaft teilweise den Entlastungszeugen Verfahren wegen Falschaussagen an. Ungeachtet jener Ungereimtheiten sah die Kammer den Tatvorwurf dennoch anhand von Zeugenaussagen als erwiesen an. Demnach seien die jungen Frauen unter Vorhalt eines Baseball-Schlägers sowie einer Gaspistole bedroht worden. Beide seien vor einer Gaststätte in Stolberg, die im Jahr 2005 ein Treffpunkt der rechten Szene war, gezwungen worden, in ein Auto einzusteigen. Im Auto seien die Frauen dann laut Kammer unter Vorhalt der Waffen und Morddrohungen gezwungen worden, auszuplaudern, wo ein gesuchter Stolberger sich befinde.

Eine der Geiseln war die Schwester des Gesuchten. Neonazis hatten Tage zuvor eine Auseinandersetzung mit diesem gehabt. Als das Trio den jungen Mann schließlich durch einen Hinweis der Schwester auf einer Baustelle fand, verprügelte man den Mann. Den Neonazi aus Langerwehe nannte der Richter am Dienstagnachmittag in seiner Urteilsbegründung „Initiator“ des „Schlägertrupps“. Er habe sich offenbar durch eine als Bedrohung gewertete SMS von seinem späteren Opfer provoziert gefühlt und habe auch auf den Mann ohne Vorwarnung brutal eingeschlagen.

Der nun verurteilte Haupttäter wuchs in Leipzig auf, lebt seit einigen Jahren in der Region um Aachen. Er wurde schon wegen verschiedener Delikte verurteilt. Ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung ist noch anhängig. Gemeinsam mit dem KAL-Anfüher und heutigen stellvertretenden Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Düren soll der Langerweher Anfang 2005 ein weiteres KAL-Mitglied nicht gestoppt haben, als es seine schwangere Freundin verprügelte. [© Michael Klarmann; für taz-nrw]
20.6.07 10:13
 



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