Klarmanns_Welt

  Startseite
  Archiv



  Links
   Kunden:
   Aachener Friedenspreis
   Aachener Nachrichten
   Aachener Zeitung
   Archiv der Jugendkulturen
   Blick nach Rechts
   DJV (Bezirk Aachen)
   DJV-NRW
   Konkret
   Ox
   Telepolis
   
   Kunden (sporadisch):
   BpB
   PapyRossa
   Rheinische Post
   tageszeitung
   Visions



kostenloser Counter

IP

http://myblog.de/klarmann

Gratis bloggen bei
myblog.de





Rechts: NPD-Chef Voigt will über Kapitalismus und Politik richten

Dortmund. Kurz vor Mittag eskaliert die Situation. Eine bis dahin friedliche, rund 1.800 Personen starke Demonstration von Linksautonomen und Antifaschisten strömt im Dortmunder Osten auseinander. Die Nazigegner liefern sich ein Katz und Maus-Spiel mit der Polizei und bauen Barrikaden aus Müllcontainern. Schließlich besetzen mehrere hundert Menschen Bahngleise. Bald brennen rasch aufgeschichtete Holzhaufen auf den Gleisen. Als die Polizei nach rund 15 Minuten alles räumt, fliegen Schottersteine auf die Beamten und es kommt zu Verhaftungen und Verletzten.

In Dortmund herrschte am 1. Mai Ausnahmezustand. Anlass dafür war ein Neonazi-Aufmarsch zum „Tag der Deutschen Arbeit“. Ein aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen gezogenes Polizeiheer von 3.000 Beamten bestimmte die Szenerie. Zwischen 800 (Polizei) und 1.300 (NPD) west- und süddeutsche Neonazis wetterten „gegen Kapitalismus“ und Globalisierung als Feinde der „deutschen Volksgemeinschaft“. NPD-Chef Udo Voigt und der führende Kopf der Neonazi-„Kameradschaften“, Christian Worch, kündigten in Reden an, man wolle die „BRD abwickeln“.

Voigt und Worch waren lange verfeindet. Dass sie gemeinsam auftreten, werten Beobachter als Zeichen dafür, dass der Schulterschluss von NPD und „Kameradschaften“ voran schreitet. Doch Worch kann erst mit zweieinhalb Stunden Verspätung sprechen. Wegen der beschädigten Bahngleise können viele Neonazis nicht per Zug anreisen. Was die Nazigegner freut, ist für die Polizei ein Problem. Zwei mehrere hundert Neonazis starke Gruppen sammeln sich an anderen Bahnhöfen und wollen „spontan“ durch die Stadt marschieren. Die Polizei hindert sie letztlich daran und chauffiert sie nach stundenlanger Wartezeit mit Bussen der Verkehrsbetriebe und angemieteten Reisebussen zu einem Kundgebungsgelände im Nordosten der Stadt. Dort ist alles hermetisch abgeriegelt. Nur Anwohner – darunter viele Migranten – zeigen mit „Nazis raus!“-Schildern und -Rufen, was sie von dem braunen Spuk halten.

Derweil marschiert Worch mit rund 400 „Kameraden“ noch durch Dortmunds Osten auf das Kundgebungsgelände zu. Worch wettert, die „Abwicklung“ der DDR sei nur ein Test gewesen für die „Abwicklung der BRD“. Passanten schütteln den Kopf. Ein Mann findet: „Der weiß gar nicht, was er da redet!“ Worchs „Kameraden“ applaudieren dem Hamburger indes und skandieren, angelehnt an die alte NSDAP-Losung „Deutschland erwache“, die Parole „Europa erwache“. Als gegen 17 Uhr Worchs Zug das idyllisch zwischen Bäumen gelegene Kundgebungsgelände der Rechten erreicht, begrüßen Neonazis – darunter auch junge Männer aus der Aachener Region – ihre „Kameraden“ mit den Rufen „Deutsch, sozial und national“.

Auf dem Gelände spielen rechte Musikgruppen auf der LKW-Bühne. Prominente Vertreter der Braunszene haben sich unter die jungen Rechtsextremisten gemischt. Udo Voigt fordert derweil von der Bühne herab ein „Ausländerrückführungsgesetz“. Aber nicht nur Migranten sind den NPD-Bundesvorsitzenden zuwider. Politiker, Wirtschaftsbosse, Polizisten und Pressevertreter hätten „Angst“. Eines Tages, prophezeit Voigt, würden die Politiker nicht mehr „auf ihren Abgeordnetenstühlen sitzen“. Und dann ruft er: „Wir werden sie dereinst vor ein Gericht stellen, damit sie Gelegenheit haben, sich zu rechtfertigen. Und wenn sie das nicht können, werden wir ihnen Gelegenheit geben, den Schaden am deutschen Volk abzuarbeiten, den sie angerichtet haben.“

Die „Kameraden“ applaudieren. Beobachter fühlen sich indes an die Konzentrationslager der Nationalsozialisten erinnert, von diesen einst beschönigen auch Arbeitlager genannt. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]

[Lesermeinungen zu diesem Beitrag (geben nicht unbedingt die Meinung vom KW wieder; KW behält sich Sinn wahrende Kürzungen vor)]
–– „Politischer Soldat“, Kameradschaft Aachener Land: „Du verdrehst mal wieder sehr geschickt die Tatsachen... Du lügst zwar nicht explizit, erwähnst aber wieder einmal nur bestimmte Fakten, so dass ein gewisses Bild entsteht. Du könntest beispielsweise noch berichten, dass 125 Linke und nur 19 Rechte fest genommen worden. Dass die rechte Demo weit gehend ohne Krawall verlief, wohin gegen die Linken halb Dortmund auseinander genommen haben... Wäre es umgekehrt, würdest du wieder n riesen Ding draus machen. Ausserdem müsstest du doch selber ganz gut wissen, dass die Teilnehmerzahlen so nie und nimmer stimmen können. Die Polizei schreibt z.B. auch, dass die Demo von Körne West zum Parkplatz mind. 650 Mann stark war, anstatt 400...“
(Ergänzung am 3. Mai, 18.00 Uhr, gepostet)
2.5.07 20:53
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung