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Rechts: NPD feiert ihren Vierzigsten beim Türken und Kunkels Moorsoldaten-Wünsche

Stolberg. Da staunten am 16. April einige der rund 250 Gegendemonstranten in Stolberg (Kreis Aachen) nicht schlecht: René L., grobschlächtiger Nazi-Skin und oft in T-Shirts der NS-Terrorgruppe "Combat 18" anzutreffen, marschiert mit anderen Neonazis im edlen Anzug auf. Grund dafür ist ein Festakt der NPD zum 40-jährigen Bestehen. L., Mitanführer der "Kameradschaft Aachener Land" (KAL), will wohl NPD-Chef Udo Voigt gefallen. Schließlich ist der 25-jährige Arbeitslose bei der NRW-Landtagswahl NPD-Kandidat im Kreis Düren. Auch die zur Bewährung ausgesetzte Geldstrafe von 1.650 Euro wegen Falschaussage vor Gericht dürfte Voigt erfreuen, denn L. machte sich vor zwei Jahren zugunsten eines wegen Bedrohung von Antifaschisten angeklagten "Kameraden" strafbar. Kürzlich drohte L. dann Antifaschisten selbst vage mit Mord.

Von Morddrohungen gegenüber Antifaschisten und kritischen Journalisten will Willibert Kunkel, lokaler Organisator des Festaktes, nichts wissen. Er empfängt die geladenen Gäste an besagtem Samstag auf dem vor der Festhalle hermetisch von der Polizei abgeriegelten Olof-Palme-Friedensplatz, benannt nach dem ermordeten schwedischen Sozialdemokraten. Kunkel ist sichtlich stolz darauf, dass er die Parteispitze in die Stadt, in deren Rat er für die NPD sitzt, gelotst hat. Er nimmt sich sogar Zeit dafür, gut gelaunt mit einer Antifaschistin zu diskutieren. Dass er 1.000 Euro Saalmiete und seine "Kameraden" ihre Zeche an den türkischen Pächter der Stadthalle zahlen müssen, stört ihn nicht. Die NPD, sagt Kunkel, sei "eine junge Partei, dynamisch wie wir nun mal sind."

Die NPD feiert an besagtem Wochenende in geschlossener Runde nachträglich ihr 40-jähriges Bestehen. Zwar war die Partei 1964 gegründet worden, jedoch wies NPD-Pressesprecher Klaus Beier zuvor darauf hin, dass man wegen der Wahlkämpfe in Sachsen und Schleswig-Holstein die Feier auf das Frühjahr 2005 verschoben habe. Zwischen 250 und 300 Parteifreunde sollen im Saal feiern, darunter Udo Voigt. Gut gelaunt erscheint der NPD-Chef sogar kurz am Fenster und schießt eigenhändig Erinnerungsfotos von den Demonstranten. Teile der übrigen Parteispitze, Gründungsmitglieder und rechte Skinheads sind angereist. Auch die sächsische Landtagsfraktion um den Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel und Fraktionsgeschäftsführer Uwe Leichsenring ist anwesend. Festreden halten laut NPD Voigt, Apfel, der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Udo Walendy und weitere Parteifunktionäre. Grußworte lassen u.a. DVU-Chef Gerhard Frey, der notorische Antisemit Horst Mahler und der frühere Parteivorsitzende Günther Deckert ausrichten. Die Halle hat die NPD mit historischen Wahlplakaten geschmückt, zudem werden Parteijubilare geehrt.

Kunkel ist Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Aachen, Mitglied des NRW-Landesvorstandes und Landtagswahl-Kandidat. Der 54-Jährige wurde kürzlich wegen Körperverletzung an einem 13-Jährigen zu einer Geldstrafe von 2.100 Euro verurteilt. Er kooperiert eng mit der KAL und sitzt in Fraktionsstärke mit Oliver Harf, Ex-Mitglied der völkisch-nationalen, Aachener Burschenschaft Libertas Brünn, im Stolberger Rat. Und trotz des Festaktes sehen es beide als ihre Pflicht an, diesen kurz zu verlassen und einer als "deutliches Zeichen" gegen Rechts gedachten, außerordentlichen Ratssitzung beizuwohnen.

Aufgerufen hat zu dem symbolischen Protest Bürgermeister Ferdi Gatzweiler (SPD). Als der vor rund 400 Menschen sagt, das Rathaus sei "der Ort für Demokratie und Freiheit", bejubelt Kunkel das mit lauten Bravo-Rufen. Provokativ feixen er, Harf und der DVU-Ratsmann Rudi Motter über Gatzweilers Rede. Doch ihre Mienen werden ernster, als der Gastredner und regionale DGB-Chef Heinz Kaulen Neonazis "Mörder" nennt, für die in der Gesellschaft "kein Platz" sei. Am Ende schüttelt Kunkel ungläubig den Kopf über die Standpauke.

Als dann Musik erklingt, reicht es den drei Rechtsextremen. Sie verlassen den Ratssaal, um weiter mit den "Kameraden" zu feiern. Kunkel grummelt wie zum Abschied vor sich hin: "Schade, Moorsoldaten singen sie ja nicht." "Die Moorsoldaten" war das Lagerlied in Hitlers Konzentrationslagern. [© Michael Klarmann; für BnR (längere Fassung)]
22.4.05 23:05
 



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