Düren. Der NPD-Kreisverband Düren will gegen das Dürener „Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ (BgR) demonstrieren. Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ wollen die Rechtsextremisten am 8. Februar gegen die Vollversammlung des BgR in Düren aufmarschieren. Die Polizei bestätigte auf Anfrage, dass die NPD an dem Tag einen Aufmarsch angemeldet hat. Über Hintergründe dazu wollte die Behörde noch nichts mitteilen.
Obschon die NPD öffentlich noch nicht für ihren Aufmarsch wirbt, wird nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ innerhalb der rechtsextremen Szene dazu mobilisiert. Der Aufmarsch soll sich gegen die Vollversammlung des BgR in der Christuskirche richten. Schon Ende Oktober hatte die NPD dem BgR Gegenproteste angedroht, angeblich, weil in Videoclips, die Dürener HipHopper im Internet verbreiten, zu Gewalt und Frauenfeindlichkeit aufgerufen wird. Die NPD hatte seinerzeit in einem offenen Brief an Lokalpolitiker, Kirchen, das BgR und Migratenvereinigungen gedroht, falls die Urheber der Videos „ohne Strafverfolgung davon kommen“ werde die Partei einen weiteren Aufmarsch abhalten [1].
Polizeisprecher Willi Jörres bestätigte zwar eine Anmeldung der NPD für den 8. Februar, wollte jedoch über das Thema, die Zeit und den Ablauf des Aufmarsches nichts sagen. Seine Behörde führe noch Gespräche mit der NPD darüber, ob deren Wünsche durchführbar sind. Erst nach Karneval werde darüber eine Entscheidung fallen, sagte Jörres. Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ hat die NPD indes schon eine Schlappe einstecken müssen. Vor rund zwei Wochen unterbreitete die Partei erstmals der Polizei Pläne für den Aufmarsch. Doch die Ordnungshüter sahen so große Sicherheitsbedenken, dass sie die zuerst geplante Versammlung für undurchführbar ansahen. Am Montag unterbreitete die NPD der Polizei dann geänderte Pläne.
BgR-Sprecher Karl Panitz sagte auf Anfrage, man werde sich durch den Aufmarsch nicht stören lassen und wie geplant die Mitgliederversammlung ordnungsgemäße abhalten. Auch die Antifa Düren, zugleich Mitglied im BgR und bisher oft Anmelder von Protesten gegen NPD-Veranstaltungen, plant nach bisherigem Stand keine Demonstration gegen den NPD-Aufmarsch. Dieser soll nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ gegen 17 Uhr am Bahnhof beginnen und durch die Innenstadt zur Christuskirche führen. Dort will die NPD eine Kundgebung abhalten. Unklar ist, ob die Polizei das in dieser Form als durchführbar ansieht. Jedoch dürften zeitweise, ähnlich wie beim NPD-Aufmarsch am 22. September, Teile der Innenstadt abgeriegelt und ein größeres Polizeiaufgebot im Einsatz sein.
Stolberg. Sie Staatsanwaltschaft Aachen hat offenbar ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen eine Wirtin aus Stolberg eingestellt. Dies erfuhr „Klarmanns Welt“ aus gut unterrichten Kreisen. Der Wirtin war vorgeworfen worden, Jugendlichen, die nach einem Überfall von Neonazis durch die Straße gejagt wurden, keinen Schutz geboten zu haben. Die Opfer hatten seinerzeit geschildert, dass sie auf der Flucht vor den Schlägern am Rande eines Antifa-Konzerts in Stolberg-Münsterbusch [1] eine Gaststätte aufgesucht hatten, woraufhin sie trotz der Bedrohungslage von der Wirtin des Hauses verwiesen wurden und sich sogar beim Sturz leichte Verletzungen zugezogen hätten.
Aachen. Im Stadtteil Eilendorf haben Unbekannte mit schwarzer Farbe drei große Hakenkreuze und ein SS-Zeichen auf ein Privathaus in der Severinstraße gesprüht. Auf einer Haustür des Ziegelstein-Flachbaus wurden die Hakenkreuze in Kreisen mit einem Durchmesser von jeweils rund 70 Zentimeter gesprüht. Offenbar nutzen Jugendliche den überdachten Hauseingang des unbewohnt scheinenden Hauses, um sich zu treffen.
Jugendliche treffen sich ebenso Anwohnern zufolge an einer angrenzenden Bushaltestelle und einer Treppe, wo es gelegentlich zu Vandalismus kommen soll. Im Hauseingang des Hauses befinden sich zudem Spuren von abgebrannten Feuerwerk und das Klingelschild wurde zerstört und angekokelt.
Auf den Stufen vor der Haustür wurde ebenso ein kleines Hakenkreuz mit Filzstift geschmiert, daneben Namen und Sprüche wie „Verpiss dich Nazi“ oder „Du Schlampe“. Das Haus selbst wirkt teilweise unbewohnt. Heruntergelassene Rollladen zeigen leichte Spuren von Verwitterung, die Vorhänge an der Haustür scheinen meist zugezogen zu sein. Möglicherweise ist das Haus im Besitz eines Aachener Blumenhändlers.
[1] Warum einer von vier, dem Autor dieser Zeilen unbekannten Jugendlichen vor dem Haus indes denselben leicht provokativ mit „Hallo, Herr Klarmann“ grüßte, bleibt vorerst sein Geheimnis...vorerst...
Aachen. Unter dem Titel „Rechtsextremismus – STOP“ laden Aachens Bündnisgrüne im Rahmen ihrer Reihe Grüne Donnerstage zum Vortrag mit anschließender Diskussion mit Richard Gebhardt: Neonazis feiern Wahlerfolge, rassistische Anschläge machen vorübergehend Schlagzeilen, Berichte über so genannte No-Go-Areas und eine alltägliche rechte Subkultur wiederholen sich. Der Aufstand der Anständigen hat sich als Flop erwiesen, und der Aufschrei über den Einzug der NPD in die Landtage von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist schnell verstummt. Der Vortrag beleuchtet das allzu freundliche Umfeld, das der extremen Rechten die Rosen auf den Weg streut. Er untersucht deren Konzepte, nimmt ihre Praxis in Landes- und Kommunalparlamenten unter die Lupe und diskutiert die gesellschaftlichen Verhältnisse, vor deren Hintergrund Neofaschisten erstarken. Richard Gebhardt ist Politikwissenschaftler an der RWTH Aachen und Herausgeber des Sammelbandes „Rosen auf den Weg gestreut. Deutschland und seine Neonazis.“ Donnerstag 7. Februar, 19 Uhr im Aachen-Fenster (am Büchel, Buchkremerstrasse). [Textquelle: redigierte/r Grünen-Info/Buch-Klappentext]
Aachen. Bei Gedenkveranstaltungen haben am Sonntag mehrere hundert Menschen in Aachen den Opfern der Nazibarbarei gedacht. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages mahnte der Aachener Rabbiner Yaron Engelmayer, jene Gräuel dürften sich nicht wiederholen. Auch Schülerinnen und Schüler, die Katholische Frauengemeinschaft und die Caritas gedachten den Opfern.
Seit 1996 wird der 27. Januar, an dem im Jahr 1945 die Rote Armee die Häftlinge aus dem Vernichtungslager Auschwitz befreite, als Gedenktag für die Opfer der Nazidiktatur begangen. Um 11 Uhr versammelten sich daher auf Einladung eines Bündnisses euregionaler Initiativen rund 80 Menschen im Bürgerzentrum St. Fronleichnam (Schleswighaus). Schülerinnen und Schüler stellten dabei ihre Projektarbeiten zu Judenverfolgung und Nazidiktatur vor.
So informierte die Förderschule für Behinderte, die Viktor-Frankl-Schule (Kalverbenden), über das jüdische Altenheim, das an der Stelle stand, wo sich heute die Schule befindet. Über dessen Geschichte und die Bewohner, die bis 1942 in die KZ deportiert worden waren, informiert nun auch eine Broschüre. Zudem wurde das Theaterstück „Pjotr und das Netz der bösen Zungen“ vom chaOSTheater aufgeführt: eine Zungezauberin kämpft dabei gegen eine Nazibande „böser Zungen“.
Um 15 Uhr hielt die Katholische Frauengemeinschaft ein Gedenken in der Citykirche St. Nikolaus ab. Rund 100 Menschen, meist Senioren, nahmen daran teil. Das Ensemble „Shpil, Klezmer, shpil“ spielte melancholische Klezmer-Musik. Rezitiert wurden Biografien und eindringliche Gedichte von Holocaust-Opfern und -Überlebenden wie Rose Ausländer und Hilde Domin. Annette Diesler vom kfd-Diözesanverband Aachen mahnte, der „nationalsozialistische Rassen- und Größenwahn“ habe sehr großes Leid verursacht.
Wolfgang Ayaß von der Universität Kassel erinnerte bei einer Gedenkstunde im Haus der Caritas (Kapitelstraße) am frühen Abend daran, dass in Nazideutschland Wohnungslose systematisch verfolgt wurden. Die Veranstaltung mit rund 90 Besuchern, begleitet von gefühlvollen Melodien des Musikers Heribert Leuchter und Rezitationen Schauspielerin Annette Schmidt, fand im Rahmen einer Ausstellung über Wohnungslose im Dritten Reich statt. Ayaß führte aus, dass die Nazis die als „Asoziale“ und „Gemeinschaftsfremde“ angesehenen Menschen 1933 und 1938 zu Tausenden in „Arbeitshäuser“, „Bettlerhaftlager“ und zur Ermordung in die KZ verschleppten.
Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde entzündete am Sonntagabend um 19 Uhr zum Gedenken an die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden sechs Kerzen. Danach sprach Yaron Engelmayer im Saal der Synagoge vor rund 120 Mitgliedern und Gästen seiner Gemeinde das Totengebet „El male Rachamim“ für die Opfer der Shoa. Der junge Rabbiner mahnte, man müsse von der Geschichte lernen, „damit solches nie wieder geschieht. Nie wieder!“ Jegliches Unrecht müsse bekämpft werden, „so früh wie möglich und mit aller Konsequenz.“
Berlin. „Gewaltexzesse geschehen täglich. Bürgerkriegsähnliche Zustände gewaltbereiter, vornehmlich deutschstämmiger Hooligans in und um Fußballstadien, die von Hundertschaften der Polizei in Schach gehalten werden müssen. Antisemitische Grölereien in den Amateurligen, die gezielter Unterwanderung von Rechtsextremisten ausgesetzt sind.“ Uwe-Karsten Heye, Chefredakteur der SPD-Zeitung „Vorwärts“, ebd., zum Thema Jugend- und Ausländerkriminalität nach Schema Koch.